Von einer, die auszog ihre Werte zu leben – und: was ihre eigene Bestimmung damit zu tun hat

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Teil 4

ars:scribendi. Wer war Sie, wer ist Sie? Mein LeseStoff. Unternehmerische Irrfahrten. Ankommen im Welt-Verbessern. Wieder-Erinnern. Wer war Sie, wer ist Sie heute?


Schon vor zehn Jahren elementar:
Standortbestimmung meiner Werte samt einer Suchbewegung für meine Sehnsucht
Wertebewusst zu leben, wertebewusst zu arbeiten, wertschätzend unterwegs zu sein – das ist mir schon lange sehr wichtig gewesen, genauer gesagt eigentlich, seitdem ich mich vor zehn Jahren mit meinem eigenen Unternehmen ars:scribendi selbständig gemacht habe. Für mein Firmenbaby Werte zu defineren, hatte damals elementare Bedeutung für mich. Und das war mir einiges Wert, denn ich habe diese Werte damals nicht nur aufgeschrieben. Ich habe sie mir extra von einem Kalligraphen gestalten lassen.

Meine Werte: Das Herzstück meines LeseStoffs

lesestoff

Meine so gefundenen und gestalteten Werte wurden zum Herzstück des LeseStoffs, einer Publikation, die für mich mein Business verkörpert hat. Mit dem LeseStoff wollte ich mein Kostbarstes sichtbar machen, das zeigen, was ich dieser Welt zu schenken habe: die in jedem Wesen, jedem Ding innewohnende, oft verborgene Schönheit in Form von Geschichten zu Papier zu bringen, sie erlebbar, erfühlbar, sichtbar machen. Mein Credo, mit dem ich startete, lautete damals: „Jedes Ding, jedes Wesen verkörpert Schönheit. Jede, jede, jeder ist ein Geschichtenschatz. Du darfst genauer hinschauen, und dann Du wirst mit einem unschätzbaren Reichtum beschenkt.“  Mit diesem Credo unterwegs porträtierte ich insgesamt zehn Menschen, völlig unterschiedliche Menschen mit ihrem Tun, in ihrem Sein:

  • „Aufblühen und Teetrinken“ – die Gründer des Unternehmens Creani, das einen weißen „Erblühtee“ nach Deutschland importiert
  • „Das Gefühl für den vollendeten Klang“ – den chinesischen Nachwuchs-Pianisten Haiou Zhang, der mittlerweile auf den ganz großen Klassikbühnen zu Hause ist,
  • „Der Parcours zum Erfolg“ – Sabine Wehrhahn, Golf-Mentaltrainerin
  • „Messerscharf kombiniert! Crime meets Comedy“ – das Autorenduo Michael Bresser (mittlerweile mein Ehemann) und Martin Springenberg mit ihren Münsterland Krimis
  • „United they stand – united they help“ – die Basketball-Mannschaft UBC Tigers mit ihrem Charity-Projekt an Hauptschulen
  • „Mit klarem Blick für mehr Gewinn“ – Gründungsberaterin Constanze Wildenhain
  • „Der mit den Wölfen heult“ – Granato Rambocco, Einheizer beim Fußballclub Vfl Wolfsburg
  • „Keine Geschichte, eine Geschichte“ – die Band „Scycs“, die einmal Ende der 90er den einen Hit „Next November“ hatten, und dann scheinbar in der Versenkung verschwanden
  • „Kreuzweise mit CSTx“ – das Unternehmen, das eine der ersten Apps programmiert hat (bevor es diesen Namen gab)
  • „Die Schrift der Sterne“ – die Astrologin Annegret Becker-Baumann

porträts

Jede dieser Geschichten hat mich auf irgendeine Art und Weise gespiegelt, mich transformiert. Und inmitten dieser Geschichten habe ich die Beschreibung meines Unternehmens samt meiner Werte gepackt. So wollte ich mich finden lassen:

„Worte schaffen Welten. Worte sind wichtig, sind die Chiffren, mit denen wir uns selbst benennen. Worte schaffen Welten, bedeuten Werte. Indem wir darauf achten, bestimmte Worte zu verwenden, zeigen wir, wofür wir einstehen und markieren unsere Position. … Die Liebe ist der zentrale Wert von ars:scribendi. Wir schaffen immer für eine Sache – voller Empathie und Freude, optimistisch und ideenreich. „Schönheit rettet die Welt“, weiß Dostojewski. Ganz Recht so. Wir finden, das auch dazu gehört, das Schöne sehen zu können. Schönen Dingen Worten zu verleihen, ein Gesicht zu schenken und ihnen Gehör zu verschaffen – das ist Ziel unserer Arbeit. Unser Blick ist den Dingen zugewandt, die wir schätzen und kommunikativ nach vorne bringen wollen, gemeinsam mit unseren Kunden und Geschäftspartnern. Die Freude am Schaffen und die Wertschätzung unserer Arbeit inspirieren uns!…“

Mit diesen Worten habe ich damals die Essenz meines Wertesystems, den Wert meiner Arbeit und meinen inneren Antrieb beschrieben. Und ich finde auch heute noch, dass das stimmig ist. Wenn ich aber heute, zehn Jahre später, daran denke, an wen ich das adressiert habe, dann wundere ich mich gar nicht mehr, wie sich sich alles SO entwickelt hat…

„Ich habe gerade Deinen Lesestoff durchgeblättert und gelesen. Er ist so kostbar. Ein Schmuckstück. Darf ich ihn wirklich behalten?“,war eines der Feedbacks, das mir der Geschäftsführer eines Unternehmens gegeben hatte. Es kamen in der Tat auch Menschen zielgerichtet auf mich zu, die – durch den LeseStoff inspiriert – auch für ihr Unternehmen eine ähnliche Publikation realisiert haben wollten. In den vergangenen Jahren habe ich so einige wundervolle Projekte realisieren dürfen. Dieser Lesestoff war ihr Startpunkt. Mit jedem Projekt habe ich mich näher zu meiner Bestimmung „hingeschrieben“. Dazu gehörten u.a. folgende Arbeiten:

  • „Mit Vielfalt zum Erfolg“ – Porträts von Gründerinnen mit anderen kulturellen Wurzeln
  • „Bewusst wie: Anders leben. Besser wirtschaften“
  • und zuletzt: „Weltwunder. Wandel statt Wachstum. Die Nachhaltigkeitsziele umsetzen. Bei Dir. Bei uns. Weltweit.“

Doch wenn ich es mir recht überlege, dann waren meiner Auftraggeber entweder selten klassische Unternehmen, sondern Organisation, die für etwas ganz besonders eingestanden haben, für ideelle Werte statt für herkömmliche Produkte. Nicht selten waren das allerdings selbst initiierte Projekte.

Klassische Unternehmen oder Corporate Publishing Agenturen (wie ich das eigentlich intendiert hatte) habe ich damit nur relativ wenige gewinnen können. Ich habe allerdings auch niemals klassische Akquise gemacht bzw. eine Zeitlang eine Frau dafür engagiert. Gefunzt hat das das allerdings auch nicht richtig.

So war ich also unterwegs mit diesen Werten, mit dieser Arbeit, die mir selbst so kostbar und wertvoll war, aber nur wenige wussten, damit etwas anzufangen. Heute nachdem ich da nochmal intensiv nachgespürt habe, glaube ich die Gründe dafür zu kennen, warum ich damit nicht ankommen konnte:

  1. Ich habe versucht, mich als klassische Texterin, als Auftragsschreiberin und -kreateurin zu verkaufen. Im Grunde bin ich das nicht. Denn ich stehe nicht allein für gute Worte und exzellente Konzepte, ich stehe für eine Mission von einer besseren Welt. Diese Mission nehme ich immer mit. Ich bin Autorin und Künstlerin (die noch immer auf der Suche ist nach einem soliden Fundament.)
  2. Ich habe meinen Selbstwert dabei nicht gekannt und deshalb meine Werte verraten. Jetzt habe ich verstanden: Der Selbstwert ist die Basis von allem. Wenn ich mir meines eigenen Werts bewusst bin und für ihn einstehe, gerät nichts mehr ins Wanken. Jetzt weiß ich das. Ich werde das nicht mehr vergessen. Ich bin mir das selbst wert.

So gut kann ich mich an Situationen erinnern, in denen ich auf irgendwelchen Business-Events war und mich so gar nicht wohl gefühlt habe. Jetzt weiß ich, warum. Ich habe mich selbst jahrelang für falsch verkauft.

Bitte versteh mich nicht falsch: Ich will die normale Business-Welt, in die ich ja hinwollte, nicht schlechtreden. Sie ist, wie sie ist. Sie ist aber eben nunmal nicht meins. Und so war meine letzten zehn Jahre eine einzige große Suchbewegung: Ich hatte einfach kein Vorbild für das, wer ich bin. Ich kann die Berufe des PR-Managers und Redakteurs, denn das hatte ich ja gelernt. So war ich PR-Referentin, Freiberuflerin, Unternehmerin, Initatorin und Vorstandsvorsitzende einer Genossenschaft, Anschieberin und Projektwupperin. Und nach dem Scheitern der Genossenschaft bin ich zusammen gebrochen. Jetzt erkenne ich: Ich war mir meiner wirklichen Rolle noch nicht richtig bewusst.

Als ich mich nach meinem Zusammenbruch 2012 im Jahr 2013 wieder aufrappelte, rief folgender Wunsch in mir ganz laut: „Lass mich Teil einer Nachhaltigkeitsbewegung sein, einer Unternehmerbewegung, die für eine bessere Wirtschaftswelt einsteht, in der Menschen wertschätzender unterwegs sind, sich gegenseitig stärken, die Umwelt und unsere Mitwelt achten. Lass mich Teil dieser neuen Menschheit sein.“ So bin ich mit der Gemeinwohl-Ökonomie- und der Transition Town-Bewegung in Berührung gekommen, mit Projekten, die in eine Utopie hineinleben, die die Werte und die Projekte verkörpern, für die mein Herz schlägt.  Heute bin ich voll aktiv für Projekte, hinter denen ich voll und ganz stehen kann. Und ich bin mir meiner Rolle bewusst:

Ich bin eine der Reporterinnen für diese neuen Welt.
Das ist meine Wahrheit.
Meine Aufgabe ist es, mich dafür zu befreien und dafür, für mich einzustehen.

Ein Teil davon wird es sein, mir meine Werte jetzt nochmal genauer anzuschauen. Sie klar zu kriegen und festzuschreiben sind die Basis für meine weiteren Schritte. Noch ist für mich vieles nebulös. und ich weiß auch nicht, ob es glasklar rüberkommt, was ich zum Ausdruck bringen will. Im Grunde ist es auch egal. Mein eigener Prozess ist wertvoll für mich, und ich spüre deutlich, dass ich gerade sehr gewinne, auch wenn sich vieles noch zeigen will.  DANKE SCHÖN!

Selbstliebe

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