Neue Werte für die Wirtschaft oder: Plädoyer für ein Wirtschaftswunder 2.0

Beautiful blue sky background with clouds and sun

Ein Beitrag zur Werte-Woche im Compassioner

Liebe, Würde, Authentizität, Vertrauen, Ehrlichkeit, Genuss –  all dies sind Werte, die sicherlich jede*r von uns – natürlich in unterschiedlicher Gewichtung – in seinem Leben als zentral erachtet und auch als „Leitsterne“ beachten mag. Und wie ist es um die zentralen, wirklich verbindlichen Werte in unserer Wirtschaft bestellt?

Nach den Rahmenbedingungen unserer heutigen Wirtschaftsordnung ist der monetäre Profit der höchste (Wirtschafts-)Wert, denn der Gewinn eines Unternehmens ist der wichtigste und zentrale Faktor für seinen Erfolg. Weil der Fokus genau lediglich auf den Profit gerichtet ist, werfen Unternehmen oft Werte über Bord, die ihnen eigentlich wichtig wären. Werte, die in unserem alltäglichen Leben zentrale Bedeutung haben – fast so, als wäre unsere Wirtschaft losgelöst von unserem eigentlichen Leben. Ein „wert-achtloses Agieren“ hat null Konsequenzen, im Gegenteil – Unternehmen werden dafür eigentlich belohnt, denn: Unternehmen, die effizienter produzieren, die ihre Erzeugnisse kostengünstiger anbieten können, erzielen höhere Gewinne, sind kreditwürdiger, können weiter wachsen… und diese Spirale dreht sich immer weiter.1)Ich gehe jetzt einmal nicht auf das Thema CSR und Leitbildentwicklung und Corporate Identity-Prozesse in Unternehmen ein, denn natürlich gibt es mittlerweile ein Bewusstsein für diese Schräglage, ein werte- oder gemeinwohlorientiertes Unternehmen zu führen, ist jedoch eine freiwillige Aktion.

Die Frage ist, was das mit uns und unserem Wertesystem macht,
die Frage ist auch, ob das so bleiben muss
oder ob es nicht doch einen integrierten Weg gibt,
ein Unternehmen sowohl finanziell tragfähig und erfolgreich zu führen
als auch die eigenen zentralen Werte zu bewahren
oder sogar ins Zentrum des wirtschaftlichen Schaffens zu stellen.

Immer mehr, immer mehr – um welchen Preis?

  • Muss es denn wirklich sein, dass Textilien in Bangladesh zu menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, damit wir sie für 6,00 Euro irgendwo am Grabbeltisch erstehen können?2)Und bitte, liebe Gegenbeispielsortierer, ich möchte jetzt keine Kommentare hier haben, dass wir den Menschen in Bangladesch doch Arbeitsplätze verschaffen, das ist zynisch und widerwärtig – lest Euch mal den oben verlinkten Artikel – Stichwort: menschennwürdige Bedingungen – durch, dann werdet Ihr anders darüber denken.
  • Passt es denn, dass Menschen mancher Ausbildungen auch in hier in Deutschland – trotz Mindestlohngesetzgebung – von einem Job allein nicht mehr leben können und unter dabei immer drastischeren Bedingungen arbeiten müssen – ohne Pausen, gemobbt, ständig in der Angst, ersetzt zu werden, weil „jemand anders die Arbeit mit Kusshand machen würde“?3)Bitte auch hier keine Gegenreden, ich habe schon genug Klienten begleiten, die genau das beschreiben.
  • Muss es denn eigentlich wirklich alles nach dem Prinzip „Höher, schneller, weiter“ funktionieren oder könnten wir nicht auch mal einfach „halblang“ und mit Müßiggang arbeiten?
  • Wollen wir wirklich Fleisch und auch Gemüse essen, das buchstäblich unter KZ-Bedingungen zu uns auf den Essenstisch gelangt? 4)Wenn Du es Dir vor Augen führen willst, bitte schau Dir mal die Doku „We feed the world“ an.
  • Wieviel sind uns eigentlich die Ressourcen unsere Planeten wert? Dürfen wir unbegrenzt über sie verfügen und können sie einfach so nehmen? Oder brauchen sie mehr Achtsamkeit, einen respekt- und würdevollen Umgang?5)Die Planetary Boundaries sprechen ja eine sehr deutliche Sprache, dass es so nicht weiter geht – lies Dir mal folgenden Artikel des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung durch:  https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/vier-von-neun-planetaren-grenzen201d-bereits-ueberschritten

Um welchen Preis machen wir unsere Arbeit und unsere Wirtschaft eigentlich so?
Muss das alles und noch viel mehr wirklich so sein oder geht das nicht auch ganz anders?

Argumente, dass wir Wachstum brauchen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen (wie es der eine oder andere Politiker immer wieder einbringt), ziehen nicht mehr. Das gleicht einem „Das haben wir immer schon gemacht, deswegen muss es auch so bleiben.“ Es gibt genügend Szenarieren, die zeigen, dass genug für uns alle da ist und zwar alle Menschen auf der ganzen Welt (und ja: natürlich auch Arbeitsplätze!) – wir bekommen „nur“ die Verteilung nicht richtig hin. Die Zeiten eines Wirtschaftswunders, das auf einem Wachstumsmotor beruht, sind in den westlichen Ländern eigentlich schon spätestens seit den 80er Jahren vorbei.

Es ist in den reichen Ländern Zeit für ein neues Wirtschaftswunder 2.0,
das Werte anders bemisst, das andere Wertschätzungen ins Zentrum rückt
und bessere Verteilungen des Reichtums ermöglicht.

Mittlerweile gibt es einige Konzepte, wie sich Wirtschaft anders gestalten und an Werten orientieren könnte, die mit unseren „Lebenswerten“ im Einklang stehen: das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie natürlich oder auch das REconomy-Projekt der Transition Town-Bewegung. Natürlich sind sie noch im Stadium eines Reallabors – sie werden tatsächlich ins real existierende Wirtschaftsleben hinein erprobt und sukzessive verbessert – doch legen sie schon einmal Grundsteine, die weiter entwickelt werden können. Was es vor allen Dingen aber auch braucht, sind Rahmenbedingungen, die Konsequenzen schaffen und Unternehmen belohnen, die das planetarische Gleichgewicht sowie die Würde von Menschen, Tieren und unserer Mitwelt achten und sie nicht mit Füßen treten.

Doch dass es diese gesetzlichen Infrastrukturen noch nicht gibt,
soll kein Argument dafür sein, nicht jetzt schon anzufangen,
sein Unternehmen an anderen Werten als dem des Profits auszurichten.
Das kann der Anfang einer Umwälzung sein…
Also bist Du mit Deinem Unternehmen dabei –
Teil einer Bewegung, die die Wirtschaft schon jetzt anders besser macht? 

 

*************************************************************************************************************

Diesen Artikel habe ich Rahmen der Wertewoche des Online-Magazins Compassioner geschrieben. Seite einer knappen Woche werden dort täglich Beiträge zum Thema Werte aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen publiziert- Als Autorin, die dort regelmäßig veröffentlicht, wollte ich meinen ganz eigenen Beitrag dazu leisten. Über folgende Wertethemen sind im Compassioner zum Teil sehr lesenswerte Artikel erschienen:

Vielleicht magst Du Dich auch an Deiner Umfrage „Was ist Dein wichtigster Wert?“ beteiligen, die Chefredakteurin Susanne Nadler gestartet hat. 

References   [ + ]

1. Ich gehe jetzt einmal nicht auf das Thema CSR und Leitbildentwicklung und Corporate Identity-Prozesse in Unternehmen ein, denn natürlich gibt es mittlerweile ein Bewusstsein für diese Schräglage, ein werte- oder gemeinwohlorientiertes Unternehmen zu führen, ist jedoch eine freiwillige Aktion.
2. Und bitte, liebe Gegenbeispielsortierer, ich möchte jetzt keine Kommentare hier haben, dass wir den Menschen in Bangladesch doch Arbeitsplätze verschaffen, das ist zynisch und widerwärtig – lest Euch mal den oben verlinkten Artikel – Stichwort: menschennwürdige Bedingungen – durch, dann werdet Ihr anders darüber denken.
3. Bitte auch hier keine Gegenreden, ich habe schon genug Klienten begleiten, die genau das beschreiben.
4. Wenn Du es Dir vor Augen führen willst, bitte schau Dir mal die Doku „We feed the world“ an.
5. Die Planetary Boundaries sprechen ja eine sehr deutliche Sprache, dass es so nicht weiter geht – lies Dir mal folgenden Artikel des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung durch:  https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/vier-von-neun-planetaren-grenzen201d-bereits-ueberschritten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *