Facebook als Möglichkeitsraum – warum gerade ich als Aktivistin Facebook bewusst nutze

Erworben bei fotolia.de / Urheberin: Gesina Ottner

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Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen.1)Ich muss gesehen, ich habe hin- und herüberlegt, ob dieses Zitat verwenden soll – zumal noch an so prominenter Stelle. Denn Facebook ist für mich nichts „Böses“ an sich. Facebook ist für mich einfach ein Angebot – das mensch sich entscheidet anzunehmen und dann als digitalen Raum zu nutzen. Ich nutze es dennoch, weil es Dich vielleicht triggert, weiter zu lesen.
(Edmund Burke)

„Facebook – Du bist auf Facebook? Und dann auch noch so aktiv? Facebook – die berauben Dich doch all Deiner Daten und verkaufen sie weiter. Facebook weiß alles über Dich und manipuliert Dich. Außerdem wird da doch nur rumgepöbelt: ein Shitstorm nach dem anderen. Was wir brauchen ist ein alternatives digitales Netzwerk, eine Alternative zu Facebook, wo uns niemand reinpfuschen kann.“

Facebook – das ist das böse Netzwerk2)Interessant, auf was man bei einer einfachen Googlelei so stößte. Die Zeitung „Der Westen“ hat bereits im Jahr 2011 einige – auch wissenschaftlich fundierte Argumente – gesammelt, warum Facebook „das Böse“ sei: http://www.derwesten.de/wirtschaft/digital/warum-facebook-boese-und-gemein-ist-id4810086.html
Diese Meinung höre ich oft – gerade von Menschen, mit denen ich eng zusammen arbeite. Einige von ihnen lehnen Facebook komplett ab und haben erst gar keinen Account, andere konzipieren sogar Alternativen. Um den 9./10.12. herum findet beispielsweise in Berlin im Supermarkt eine sehr interessante Veranstaltung zum Thema „Plattform Cooperativsm“ statt, die genau um dieses Thema kreist.

Ich selbst bin der Tat sogar sehr aktiv auf Facebook – sowohl auf meinem eigenen Profil als auch auf den Facebookseiten für die deutsche Transition Town-Bewegung und (zumindest temporär seit August 2016 bis ca. Februar 2017) für die Gemeinwohl-Ökonomie. Und ich hoffe sehr, dass sich in den kommenden Monaten für beide Bewegungen Social Media Teams aufbauen, die sowohl die Facebookseiten befüllen und darüber hinaus sogar weitere digitale Netzwerke, wie bspw. Instagram.3)Drückt mir die Daumen, dass wir das schaffen. Denn ich werde mich in 2017 mich auf anderen Kommunikationsfeldern tummeln.

Warum agiere ich so?
(Ich betone, dass dies hier meine Einzelmeinung ist, weder die der Transition Town-Bewegung noch die der Gemeinwohl-Ökonomie.)

Für mich sind digitale Netzwerke Möglichkeitsräume:

  • Plattformen, an denen ich die Positionen, für die ich stehe, publizieren kann,
  • Orte, an denen ich informiere und zur Diskussion stelle,
  • Netzwerke, in denen ich mich mit Gleichgesinnten verbinde,
  • Marktplätze, auf denen ich die Gelegenheit habe, die Gruppierungen, in denen ich mich bewege, sowie die Werte und die Aktionen, für die ich stehe, sichtbar zu machen.

Wenn ich diese Plattformen nicht nutze, bin ich dort nicht sichtbar. Dann sind möglicherweise nur die Positionen, Gruppierungen, Werthaltungen vertreten, die vielleicht sogar die Positionen und Aktionen für die ich gehe, verneinen. Damit hätte ich also eine Chance vertan, wenn ich mich dort nicht tummelte. Und: was passiert wohl, wenn wir neuen sozialen Bewegungen dort nicht präsent sind? Richtig: Die Alternativen werden nicht gesehen und stehen nicht zur Diskussion.

Also: Lasst uns Facebook fluten…

Das Feld Facebook nicht zu nutzen, ist meiner Ansicht nach töricht. Denn auf Facebook (und vielleicht sogar zur Zeit noch mehr auf Instagram) tobt das digitale Leben. Dort sind Menschen erreichbar. Wir können natürlich unsere eigenen reinen digitalen Dörfer bauen, nur schotten wir uns dann ab und bleiben „unter uns“. Ich weiß nicht, ob wir das wirklich wollen – und ob es dem Ziel der großen Transformation, die wir ja anstreben (?) wirklich dienlich ist. Wir sollten vielmehr dieses „Feld“ nutzen und nicht brach liegen lassen – im Gegenteil: Wir sollten es nutzen, wir sollten es fluten, mit dem, was wir zu sagen und zu bieten haben!

… und dabei wertschätzende digitale Kommunikationsstile kultivieren

Damit meine ich nicht, dass wir uns der „Shitstorm“-Gepflogenheiten bedienen sollten, die von einigen Menschen, die auf Facebook unterwegs sind, praktiziert werden. Wir sollten mit der wertschätzenden kommunikative Grundhaltung auftreten, die wir auch in anderen Kommunikationsfelder für uns kultiviert haben. In der Transition Town Bewegung ist dies die Transition Charta, in der Gemeinwohl-Ökonomie gibt es einen Kommunikations-Kodex. Auch damit machen wir einen Unterschied und zeigen Alternativen auf. Sehr fein und inspirierend hat sich übrigens kürzlich auch Veit Lindau mit diesem Thema beschäftigt im Blogartikel „Märkte sind Gespräche – und Du erschaffst sie mit“. Sehr differenziert setzt ich , Autorinnen-Kollegin im Online-Magazin compassioner mit dem Für und Wider zu Facebook auseinander im Blogartikel „Wie Du Facebook für Deine persönliche Entwicklung nutzen kannst.“

Viele Kommunikations-Wege führen in eine bessere Welt

Übrigens, auch wenn Facebook und Co. für mich wirkungsvolle Transportmittel sind: Ich finde es großartig und unbedingt notwendig, dass es digitale Pionier*innen gibt, die Alternativen zu Facebook entwickeln. Herzlichen Dank an all, die diese wertvolle, oft mühsame Arbeit machen.

So braucht es wohl beide Wege:
Das Erbauen neuer Häuser als auch das „Einnisten“ in die alten.
Und keiner dieser Wege ist besser oder schlechter.

 

Und noch ein PS, das zugleich auch eine große Herausforderung darstellt:
Wer viele Kommunikationswege wählt, braucht viele Mitgestalter*innen – deswegen macht bei uns mit, wir können viele Ko-Kreateur*innen und Ko-Kommunikateur*innen gebrauchen.

 

Jetzt interessiert mich natürlich Eure Meinung:

Wie seht Ihr das?
Seid Ihr auf Facebook und in digitalen Netzwerken unterwegs?
Wie seid Ihr dort unterwegs?
Welche Meinung habt Ihr dazu?

Interessierte Grüße,

Steffi.

References   [ + ]

1. Ich muss gesehen, ich habe hin- und herüberlegt, ob dieses Zitat verwenden soll – zumal noch an so prominenter Stelle. Denn Facebook ist für mich nichts „Böses“ an sich. Facebook ist für mich einfach ein Angebot – das mensch sich entscheidet anzunehmen und dann als digitalen Raum zu nutzen. Ich nutze es dennoch, weil es Dich vielleicht triggert, weiter zu lesen.
2. Interessant, auf was man bei einer einfachen Googlelei so stößte. Die Zeitung „Der Westen“ hat bereits im Jahr 2011 einige – auch wissenschaftlich fundierte Argumente – gesammelt, warum Facebook „das Böse“ sei: http://www.derwesten.de/wirtschaft/digital/warum-facebook-boese-und-gemein-ist-id4810086.html
3. Drückt mir die Daumen, dass wir das schaffen. Denn ich werde mich in 2017 mich auf anderen Kommunikationsfeldern tummeln.

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