Ernte-Dank oder: für ausgeglichenen Reichtum

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Das Motiv wurde von mir eingefangen an einem reichen Herbsttag im Jahr 2013 im Vierjahreszeitenpark in Oelde in NRW.

Gerade nehme ich am Programm „21 Tage Meditieren mit Deepak Chopra“ teil (übrigens sehr empfehlenswert). Es geht um Wünsche und Schicksal. Das Motto und Mantra des heutigen Tages1)Ich hinke im Programm ein wenig hinterher, bin bei Tag 4, die meisten werden wohl bereits an Tag 8 angelangt sein… ;-)… lautet

„Ich bin das Universum, und ich bin von Fülle und Reichtum umgeben.“

Ja, daran glaube ich. Ja, um uns herum ist so viel Fülle, so viel Reichtum. Gerade im Herbst, gerade zur Erntezeit, ist das offenkundig. Und dass WIR kostenfrei an einer solchen Meditation teilnehmen dürfen, das ist auch ein unglaublich großartiges Geschenk! Und dass ich das hier schreiben darf erst… Ich kann mich heute ganz entspannt hier hinsetzen, einen Blogartikel schreiben, schreibend sinnieren, bin soooo frei…

Dann kreisen meine Gedanken weiter und ich erinnere mich daran, dass wir zwar diesen unfassbaren Reichtum haben, er aber ebenso unfassbar ungerecht verteilt ist. Dass wir hier in den nordwestlichen Gefilden auf Kosten so vieler anderer Menschen in den ärmeren Ländern leben.

Zum Beispiel „Waffen“… 

Ich erinnere mich daran, dass in Aleppo hunderte Menschen niedergemetzelt werden, einfach weil sie zufällig dort leben. Ich erinnere mich daran, dass es wohl in vielen anderen Gebieten dieser Erde ebenso sein wird, weil ein Teil unseres Reichtums damit angehäuft wird, dass wir Waffen dorthin exportieren – übrigens auch nach Syrien. Deutschland hat im Jahr 2015 Waffen im Wert von acht Milliarden Euro exportiert und ist damit der drittgrößte Waffen-Exporteur der Welt.2)http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/ruestungsindustrie-waffen-bericht-waffenexporte-2015 Das machen wir. Wir leben auf Kosten des Todes anderer Menschen. Menschen, die einfach weggepustet werden, aus dem Leben ausgelöscht. Familien, die zerrissen werden. Menschen, die sich deshalb auf die Flucht machen. Weil ihre Familie, weil ihre Freunde einfach weggepustet wurden. Weil sie Angst um ihr Leben haben. Und wir diskutieren darüber, wie viele von ihnen wir noch reinlassen? Obwohl wir Mitverursacher dieser Misere sind?

Weiterdenken:
Leute, wir müssen die Politik in die Zange und in die Pflicht nehmen, dass es so nicht mehr geht!!! Leute, wir müssen die Unternehmen dazu zwingen, die Produktion von Waffen endlich aufzugeben. Das wird ein hartes Unterfangen, ich glaube, das schwierigste, denn sofort höre ich die Killerphrasen: „Und wie ist das mit den Arbeitsplätzen…??!!“

Zum Beispiel  „Lebensmittel“… 

Ich erinnere mich daran, dass in Deutschland 18 Millionen Tonnen (!) Nahrungsmittel jährlich in der Tonne landen. Ein Drittel unserer Nahrungsmittel. Es gibt sieben Milliarden Menschen auf der Welt, eine Milliarde davon verhungert. Und wir machen so was.3)http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wwf-studie-millionen-tonnen-lebensmittel-landen-im-muell-a-1039485.html Am heftigsten transportiert das sicher der Film „We feed the world“ – zur Abschreckung empfohlen.

Weiterdenken:
Wie gut, dass es die Foodsharer gibt, die Lebensmittel retten und verteilen. Wie es wohl wäre, wenn es uns gelingen könnte, die übrig gebliebenen Lebensmittel dorthin zu bringen, wo sie so dringend gebraucht werden – ich glaube das wäre eine der größten Taten dieser Tage…Und ich glaube, dass das funktionieren kann, arbeiten die Foodsharer doch gerade an einer digitalen Plattform für bedingungsloses Teilen namens yunity.

Zum Beispiel auch hier in Deutschland…

Ich erinnere mich daran, dass auch in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Deutschland ist eines der reichsten Länder dieser Welt – und eines, in dem die Vermögensungleichheit am größten auseinander klafft. Schweden, Spanien, Frankreich, Italien, Irland und einige weitere europäische Länder sind da weitaus gerechter aufgestellt.4)http://www.wid.world/#Country:6 – Die Website wird u.a. von dem franzäsischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty betrieben – sein Buch „Das Kapital im 21. Jahrhhundert“ ist äußerst lesenswert und aufschlussreich. Auch hier in Deutschland leben also Menschen auf Kosten anderer Menschen, die Verteilungsungerechtigkeit ist gar nicht so weit weg… Ist doch krass, oder?

Vom zynischen Mantra: „Ich bin das Universum und von Reichtum und Fülle umgeben.“ …

Bei all dem und noch vielen Dingen mehr kommt es mir fast zynisch vor, das Mantra „Ich bin das Universum, und ich bin von Fülle und Reichtum umgeben.“ zu sprechen. Ja, ich bin das Universum. Und ja, mir zerbricht es mein Herz bei all den Schmerzen, die ich fühle, bei der Sado-Maso-Maschinerie, die wir da betreiben.  Ja, ich bin umgeben von Reichtum und Fülle. Und ja, es kommt mir so zynisch vor, und ich fühle mich beschämt, dass wir trotz dieses Reichtums seine Verteilung nicht besser hinbekommen. Und trotzdem meditiere ich weiter…

… in ein hoffendes Mantra hinein: „Ich bin das Universum und von Reichtum und Fülle umgeben.“

Ich meditiere und ich bete für alle Menschen, denen wir unseren Reichtum vorenthalten. Und ich meditiere in der Haltung, dass wir es schaffen werden. Gerade das Meditieren ist ein erster Schritt. Er macht uns erst einmal bewusst, in welcher Fülle wir leben. Und dass wir etwas verändern können, dass wir soviel verändern können, wenn wir es wollen. Ich glaube, dass die entscheidenen Impulse einer umfassenden gesellschaftlichen Veränderung, die dazu führt, dass die Fülle gerechter verteilt wird, von den gebildeten Menschen in den westlichen Ländern kommen muss und kommen wird. Weil es uns bewusst wird, dass es ganz anders geht. Bis dahin bete ich noch für die Menschen, denen so viel Unrecht widerfährt – und schaue, was ich auf meiner kleinen Scholle zum Wandel beitragen kann.

Sky lanterns firework festival, Chiang Mai, Thailand, Loy Krathong and Yi Peng Festival

References   [ + ]

1. Ich hinke im Programm ein wenig hinterher, bin bei Tag 4, die meisten werden wohl bereits an Tag 8 angelangt sein… ;-)…
2. http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/ruestungsindustrie-waffen-bericht-waffenexporte-2015
3. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wwf-studie-millionen-tonnen-lebensmittel-landen-im-muell-a-1039485.html
4. http://www.wid.world/#Country:6 – Die Website wird u.a. von dem franzäsischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty betrieben – sein Buch „Das Kapital im 21. Jahrhhundert“ ist äußerst lesenswert und aufschlussreich.

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