Die magischen fünf Prozent: Weltrettung meets Mengenlehre – und was Du selbst damit zu tun hast

Underwater view at coral reef and fishes, Dahab, Red Sea, Egypt

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„Da wo ich herkomm‘ wohnen eintausend Menschen,
im Ort daneben schon zweimal so viel,
300.000 in der nächsten Großstadt
und bald vier Millionen in Berlin.“

(aus „80 Millionen“ von Max Giesinger)

Meine Vision ist es, mit meinen Fähigkeiten und Talenten einen entscheidenden Beitrag dazu zu leisten, dass wir die Welt zu einem besseren Platz gemacht haben werden – mehr Gerechtigkeit, mehr Achtsamkeit unter uns Menschen und gegenüber den Ressourcen, die wir verwenden, weniger Kriege und so einiges mehr. Vor allen Dingen möchte ich es noch erleben, dass wir das geschafft haben – wir sollten also in meiner Vorstellung dahingehend in den kommenden Jahrzehnten schon einiges gewuppt haben :-).

Das Megaziel Weltrettung: Wie wird es greifbar?

Das ist natürlich ein hehres, ein großes, eine Megaziel. Die Weltrettung? Wie kann das gehen? Wie kann die Weltrettung zu einem messbaren Ziel werden, wie kann sie in greifbare Nähe rücken. Nun: Seitdem ich von einer bestimmten Zahl weiß, bin ich mir sehr sicher, dass wir es schaffen können. Ich habe davon in dem sehr lesenswerten Buch „Die Glücks-Ökonomie – Wer teilt, hat mehr vom Leben“ des Autorinnen-Duos Annette Jensen und Ute Scheub erfahren. Es geht um die „magischen fünf Prozent“. Ich zitiere die beiden Autorinnen:

Noch nie in der Geschichte haben sich so viele Menschen für Menschenrechte, Gerechtigkeit und den Schutz des Planeten eingesetzt. Fünf Prozent eines tierischen Schwarms reichen aus, um diesen in eine andere Richtung zu treiben, hat der Verhaltensbiologe Jens Krause festgestellt. Fünf Prozent Entschlossene genügen auch, um eine ganze Gesellschaft umzuorientieren.“1)Damit beziehen sich Annette Jensen und Ute Scheub auf Aussagen in Richard David Prechts  Buch: „Die Kunst kein Egoist zu sein“, in dem im Kapitel „Die Moral der Horde“ (Seite 222 ff.) genau auf dieses Phänomen und die Beoachtungen von Jens Krause ausführlich eingeht.

Fünf Prozent: Mengenlehre meets Weltrettung

Fünf Prozent also, Max Giesingers wunderschöner Song handelt von einer Frau, die ihn aus 80 Millionen Menschen, die wir in Deutschland leben, gefunden hat. Er hat schon ganz recht, dass der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach die die Möglichkeit, diesen einen Menschen zu finden, wirklich äußerst gering ist.2)Ich war noch nie Mathefan, von daher werde ich erst gar nicht versuchen, das zu errechnen ;-). Nur so viel: Zu Max Song selbst meine ich nur, dass er zwar ganz fantastisch ist, aber dass dieser Sache mit der einen großen Liebe – nun ja – vielleicht einfach ein wenig vom eigenen Radar abhängt ob man sie denn findet. Es gibt da durchaus auch andere Meinungen ;-). Als ich in Studienjahren mal ein wenig Liebeskummer hatte, besuchte ich mit einem engen Freund ein Stadionkonzert. Um mich aufzumuntern, versuchte er es mit den Gedanken: „Steffi, stell Dir vor, das ganze große Stadion wartet hier auf Dich. Nun ja, ich denke mal schätzungsweise die Hälfte, wenn Du für Dich festgelegt hast, nur heterosexuell zu sein.“ Damals fand ich das so gar nicht lustig, heute kann ich schon sehr darüber schmunzeln… :-) Doch fünf Prozent, das ist ja wirklich eine überschaubare Größe, wenn wir davon absehen, dass alle sich dann mal auf ein Zielgemenge einigen müssten ;-). Zoomen wir uns langsam ran:

  • Fünf Prozent von acht Milliarden Menschen, die auf unserem wunderschönen Planeten Erde leben, das sind 400 Millionen. Es müssten also ungefähr die Hälfte der EU-Einwohner*innen (ca. 750 Millionen Menschen) nicht nur davon überzeugt sein, sondern auch dafür zu 100 Prozent für eine bessere Welt einstehen. Das klingt ja sehr ernüchternd – und vor allen Dingen so wenig greifbar :-(
  • Blicken wir mal auf Deutschland: Hier leben ungefähr 80 Millionen Menschen, wie Max Giesinger so schön singt. Hier müssten wir also 4 Millionen Menschen überzeugen – das sind so viele Menschen, wie in Berlin leben. Also: ganz Berlin müsste  sich dafür mit ganzer Leidenschaft auf den Weg machen. Das klingt auch noch etwas unrealistisch.
  • Ich selbst lebe in Hannover – gemeinsam mit insgesamt ungefähr 500.000 weiteren Menschen. Hier müssten also 25.000 Menschen vollends für die Weltrettung einstehen. Das klingt immer noch sehr utopisch. Wenn ich mich aber daran erinnere, dass Anfang April 2016  immerhin ungefähr 90.000 Menschen hier in Hannover auf die Straße gingen sind, weil sie gegen TTIP sind, dann wird die Zahl langsam greifbar. Okay, es waren Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet. Dennoch…
  • Ich habe studiert in Lüneburg, einem schnuckeligen kleinen Studentenstädtchen mit 60.000 Einwohnern. Hier wären es 3.000 Menschen, die zu überzeugen wären. Wenn ich daran denke, dass ich mich gerade in einer Coaching-Community, dem Human Trust initiiert von Andrea und Veit Lindau, bewege, der sich über 7.000 Menschen zugehörig fühlen, dann habe ich langsam ein Gefühl von Machbarkeit :-), zumal es ja noch weitere Bewegungen und Gemeinschaften gibt, die ähnlich unterwegs sind.
  • Jetzt komme ich zur kleinsten Einheit, die ich betrachten mag., und die hat wiederum mit dem dem Song von Max Giesinger zu tun. Denn ich bin tatsächlich in einem 1000-Seelen- Dorf aufgewachsen: in  Hahausen am Harzrand. In Hahausen, vielleicht auch in meinem Kiez bei mir ums Eck, der 1.000 zählen könnte, in meinem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis (wenn ich an all die Initiativen denke, in denen ich mich bewege), wären es rund 50 Menschen, die wirklich für die Weltrettung zu entflammen wären. Spätestens bei dieser Zahl habe ich das Gefühl, dass wir es wirklich packen können.

Wie ein Virus: Weltrettung ist möglich – Spread the word! Und: schmeißt eine Weltrettungsparty :-)

Stell Dir vor auch Du fängst an, diese Zahl weiter zu wispern. „Du, ich hab da gehört, wenn wir uns alle zusammen, dann könnten wir unseren  kollektiver Traum davon, die Welt zu einem besseren Platz zu machen, Wirklichkeit werden lassen.“ Schau Dich mal in Deinem Freundeskreis um: 50 Menschen, die von einer besseren Welt träumen, die findest Du doch sicherlich. Wie wäre es, wenn Du 50 Menschen zu einer Weltrettungsparty einlädst und Ihr Euch feiernd darauf einstimmt, dass Ihr bald gemeinsam was ganz Großes schaffen werdet?

Doch halt, nicht so schnell, wir realistisch ist das überhaupt, ist es überhaupt unser kollektiver Traum, die Welt zu einem besseren Platz zu machen – und wenn ja: was wäre dann das „Wahlprogramm zur Weltrettung“?

Gibt es wirklich einen kollektiven Traum zur Weltrettung?
Es gibt sogar beachtenswerte Studien, die das bestätigen. Eine repräsentativen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge wünschen sich nahezu 80 Prozent aller Menschen hier in Deutschland eine neue Wirtschaftsordnung – eine Wirtschaftsordnung, die fairer und gerechter ist und die ressourcenschonender agiert. Dafür sind die Menschen sogar bereit, auf Einkommen zu verzichten. Das ist ihnen nämlich gar nicht am wichtigsten.3)http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/umfrage-deutschland-wirtschaftsordnung Interessant, oder?

Lassen wir darüber hinaus mal die Menschen direkt sprechen. Ich habe bereits die Community „human trust“ rund um Veit und Andrea Lindau angeführt. Dort waren in einem der Tagesimpulse die Mitglieder gefragt, über das Glück zu reflektieren, eine der Fragestellungen war auch, was die Menschen denn derzeit unglücklich mache. Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 900 Menschen. Zwei Drittel davon waren unglücklich mit der Lage der Welt: Wie wir die Umwelt zerstören, wie der Kapitalismus Ungleichheiten schafft, wie wir 1 Milliarde Menschen in der Welt hungern lassen, obwohl doch genügend Nahrung für alle da wäre. Spricht das nicht eine deutliche Sprache?

Offenbar ist es tatsächlich so, dass viele von uns sich eine Alternative wünschen, ihnen die Thematik aber zu komplex erscheint. Sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen, stehen vor einem riesigen Berg, denken, dass ihr eigenes Handeln sowieso nichts bewirken kann, fühlen sich gelähmt – und lassen deshalb alles so, wie es ist. Doch wenn es so vielen von uns so geht, dass wir uns eine bessere Welt wünschen und uns die aktuelle Lage der Dinge so unglücklich macht, warum belassen wir es denn dabei und suchen nicht anstatt dessen nach einer Lösung, wie wir das wirklich packen können.

Aufbruchsstimmung: Lass uns geh´n!

Mich stimmt sehr optimistisch, dass dies schon an vielen Orten, in vielen Bewegungen passiert. Es ist Aufbruchsstimmung – von Persönlichkeitsentwicklungs-Communites über Ernährungsbewegungen bis hin zu den Transition Towns oder auch Bewegungen zur Solidarischen Ökonomie und Gemeinwohl-Ökonomie wie auch der Umweltbewegung. In einem späteren Blogbeitrag werde ich dezidierter darauf eingehen und eine Kartographie des Wandels skizzieren.
Als, wenn es denn so einfach wäre: Wie schaut das Wahlprogramm zur Weltrettung aus?

Wir können also wohl festhalten, dass sich eine überwiegend Mehrheit eine bessere Welt wünscht – nur würden wir uns überhaupt auf ein gemeinsames „Wahlprogramm zur Weltrettung“ einigen können? Ich habe da schon eine Idee, sie hat mit den globalen Nachhaltigkeitszielen zu tun, die im Herbst 2015 von den Vereinten Nationen willkommen geheißen wurden. Aber das schildere ich Dir einmal in einem der kommenden Blogartikel :-).

 

Jetzt freue ich mich, wenn Dich mein Artikel inspiriert hat, wenn Du Überlegungen dazu hast oder auch Fragen, hinterlasse gerne einen Kommentar.

Herzliche Grüße zu Dir – in Aufbruchsstimmung,

Steffi.

 

References   [ + ]

1. Damit beziehen sich Annette Jensen und Ute Scheub auf Aussagen in Richard David Prechts  Buch: „Die Kunst kein Egoist zu sein“, in dem im Kapitel „Die Moral der Horde“ (Seite 222 ff.) genau auf dieses Phänomen und die Beoachtungen von Jens Krause ausführlich eingeht.
2. Ich war noch nie Mathefan, von daher werde ich erst gar nicht versuchen, das zu errechnen ;-). Nur so viel: Zu Max Song selbst meine ich nur, dass er zwar ganz fantastisch ist, aber dass dieser Sache mit der einen großen Liebe – nun ja – vielleicht einfach ein wenig vom eigenen Radar abhängt ob man sie denn findet. Es gibt da durchaus auch andere Meinungen ;-). Als ich in Studienjahren mal ein wenig Liebeskummer hatte, besuchte ich mit einem engen Freund ein Stadionkonzert. Um mich aufzumuntern, versuchte er es mit den Gedanken: „Steffi, stell Dir vor, das ganze große Stadion wartet hier auf Dich. Nun ja, ich denke mal schätzungsweise die Hälfte, wenn Du für Dich festgelegt hast, nur heterosexuell zu sein.“ Damals fand ich das so gar nicht lustig, heute kann ich schon sehr darüber schmunzeln… :-
3. http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/umfrage-deutschland-wirtschaftsordnung

4 thoughts on “Die magischen fünf Prozent: Weltrettung meets Mengenlehre – und was Du selbst damit zu tun hast

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