Das Mark des Lebens

Mein Menschenlehrer -Tagebuch Woche 1/2

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Ich ging in die Wälder … Foto von der fotolia.de / Bearbeitung durch mich.

Dieses Zitat von Thoreau habe ich, wie wohl so viele andere Menschen das erste Mal im Film „Club der Toten Dichter“ gehört. Mit diesem Text leitete der „Club der Toten Dichter“ stets seine Sitzungen ein. So wie der ganze Film hat mich dieses Zitat damals tief berührt.

Und  Ja: genau darum geht es für mich in dieser Menschenlehrer-Ausbildung: das Mark des Lebens in mich aufsaugen, intensiv leben, echt leben, meine Essenz und Wesentlichkeit leben. Ich will tief leben, ich will mich rausfinden, mich verschenken, mich in dem Potenzial (er-)leben, auf dass ich mein Bestes in und für diese Welt geben kann. Meine Sehnsucht und meine Hoffnung ist, dass ich es wirklich schaffen kann, ein integrales, gutes Leben zu leben, und meine Sehnsucht und Hoffnung ist es zugleich auch, dass ich weitere Menschen dazu inspirieren kann.  Ich will nicht der Neil Perry im „Club der Toten Dichter“ sein, der verzweifelt und hoffnungslos aus dem Leben scheidet, weil es offenbar keinen anderen Ausweg mehr gibt. Ich will den „weiblichen Todd Andersen“ verkörpern, der es schließlich schafft, aufzustehen, für sich, für sein Leben würdevoll einzustehen.

Mein Leben ist gerade fulminant und eine Achterbahnfahrt, eine riesige Baustelle. Es kommt vieles in Fahrt, ich bin voll unterwegs, und ich komme immer mehr in meine Kraft, aber es ist wirklich noch gut was zu tun. Ich bin mittendrin, und es stehen so viele Dinge an. Das zeigt eine Zwischennotiz, die ich vor kurzem einige Tage nach dem ersten Modul der Menschenlehrer-Ausbildung schrieb:

„Vor zwei Wochen ging ich in unsere Menschenlehrer-Ausbildung mit einem Gefühl „Boah, eigentlich hast Du MEHR als genug grad – kannst Du Dir es leisten, in diesen ersten Block zu gehen…?!?“, so viele Projekte in Deinem Patchwork-Berufsdasein – u.a.:

  • Kommunikationskonzept (zum Einstieg in einen geliebten Job, der am 1.März bezahlt startet), 
  • Konzeptpapier – Abschlussarbeit für eine Fundraising-Ausbildung
  • am Wochenende Strategietreffen für Transition (so dass ich Samstag und Sonntag schonmal garantiert nicht teilnehmen konnte)
  • im Mai ein TransitionCamp zu organisieren, mit dem ich gefühlt allein dastehe, da eine Kollegin auf unabsehbare Zeit schwer erkrankt ist
  • im Mai eine komplexere Website relauncht haben (bei dem ich einen Dienstleister steuere, aber ganz viel konzeptionelle und redaktionelle Arbeit liegt bei mir),
    (beide Termine bindend, weil in ein Projekt integriert, das wir dokumentieren müssen) 
  • mein Buchprojekt, das diesmal nicht (!!!) hintenrunter fallen soll
  • Teamleader im humantrust
  • und der ganz normale geliebte (!) Berufsalltag (zwei inhaltsreiche Newsletter vorbereiten, zwei Facebookseiten betreuen)

Ich fühlte mich echt überfordert, es fühlte sich so „eng“ an und ich dachte, ich müsste mich von etwas trennen, um wirksamer und erfolgreicher unterwegs sein zu können. In das Treffen am Wochenende ging ich „hart“ – in der Ankommensrunde benutzte ich die Worte „Es ist frostig, ich gehe hier geklärt rein, aber ich fühl mich allein, es ist alles zu viel….“

Und dann: … Ist das Eis aufgebrochen!!!

Am Wochenende haben sich zwei Teams gefunden – eines, das gemeinsam mit mir das Camp vorbereitet und richtig Bock drauf hat und ein Websiteteam. Das Fundraising-Konzept ist in die Jahresplanung integriert und nicht „nur“ für die Ausbildung geschrieben – und ich habe es nach dem Wochenende einfach runterschreiben können und pünktlich abgegeben – und es ist sogar sinnvoll, weil mit Nutzen. Die Ideenskizze zum Kommunikations-Konzept ist auch schon fertig und gestern per Skype mit einem tollen Feedback besprochen – und auch so, dass wir es gleich anwenden werden. Mein Verleger hat mich angeschrieben (also seine Initiative – wuuuuhuuuu!!!), wir haben hin und her geschrieben und Anfang März ein Treffen vereinbart – die Terminschiene fühlt sich für mich supergut an. Und gestern hat sich auch noch meine kranke Kollegin gemeldet, es geht bergauf bei ihr.

Bei einem anderen Projekt,unserem LeineHeldenJam, der im November ansteht und mir auch zuviel wurde, zeichnet sich auch eine Lösung ab: Er wird vermutlich in ein anderes Event integriert, und es ist so viiiiel weniger Arbeit. Und auch hier habe ich gesagt: „Boah, es wird mir zu viel. Ich schaffe das nicht. Ich liebe aber dieses Projekt und fühle eine Verpflichtung gegenüber einer Uni, weil sie Kooperationspartner ist und sogar ein Lehrforschungsprojekt draus macht.“ Und siehe da: Jemand anderem kam auch hier die zündende Idee, die mich sofort extrem erleichtert und die Machbarkait fühlbarer gemacht hat.

Dies alles hat sich innerhalb weniger Tage so gelöst….
Das Zuviel-Gefühl hatte ich Wochen mit mir rumgetragen. Ich weiß jetzt: Sobald dieses Gefühl auftaucht, werde ich es ansprechen ;).

Mein Learning: 
Wenn Du merkst, es wird für Dich zu viel, Du liebst aber das, was da mit Dir durch Dich passieren soll, und es ist sinnvoll, bitte nicht in dem Gefühl der Enge bleiben und zurückstecken, auf Deine Komfortzone zurückrudern, sondern ehrlich sagen: „Uff, ist grad viel… es ist aber trotzdem meine Vision und ja sie hat auch mit Eurer zu tun,und ich geh dafür. Bitte helft mir und zeigt mir, wies geht. Und die Unterstützung wird kommen :-))))…“

Ich fühle mich gerade getragen, wie befreit – größer und auf neuem Level. Ich fühle mich wie ein Feld, das mit anderen durch andere wirkt. Und es fließt. Ein tolles Gefühl!!!“

Ein großes Thema: Meine integrale Balance finden

Wie Du an diesen Ausführungen merkst, habe ich einen deutlichen Lebensschwerpunkt: mein Leben ist sehr einseitig ausgerichtet, sehr von meiner Berufung eingenommen und bestimmt. Das gefällt mir nicht, ich brauche eine integralere Lebenspraxis und ich wünsche mir sehr, dass sich diese innerhalb der nächsten zwei Jahre entfaltet – und zwar mit Leichtigkeit – so wie sich meine beruflichen Herausforderungen vor zwei Wochen gerade aufgelöst haben:

Ich mache zu wenig Sport, achte zu wenig auf mich selbst, ernähre mich ungesund, gönne mir zu wenig Auszeiten, wertschätze meine Familie zu wenig, obwohl ich sie so sehr liebe und mir sehr bewusst ist, was für einen Heimathafen und Ruhepol mir meine Familie wirklich bietet. Bei uns zu Hause ist es viel zu unordentlich und unwirtlich. Das will ich dringend ändern. Ich will wieder mehr Schönheit, Gemütlichkeit und gleichzeitig das „Mark des Lebens“. Ganz schön viel! Zuviel? Ich glaube nicht, ich glaube, dass das gehen kann.

Integraler UND nachhaltiger Lebensstil

Ein Riesenthema ist für mich auch, dass ich einen nachhaltigen Lebensstil wirklich vorleben möchte. Ich schreibe gerade das Buch „Unterwegs zum guten Leben – Mensch sein für ein neues Zeitalter“ und ich möchte diesen guten Menschen, den ich im Buch propagiere wirklich verkörpern. Ich möchte integer, authentisch, strahlend damit sein. Es aus jeder Pore ausstrahlen. Mein Glaube an den Weltenwandel ist wirklich wahrhaftig, meine Begeisterung transportiert sich, aber ich muss es auch wirklich verkörpern, indem ich einen nachhaltigen Lebensstil vorlebe oder einen „Bruch“ damit transparent mache und gut begründe. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Punkt, und da ist noch ganz viel Luft nach oben, ich merke das je tiefer ich in dieses Thema eintauche. Wir könnten alle so viel mehr, wenn wir unser Verhalten und unser Bewusstsein nur ändern würden. So denke ich, dass ich mit dem Buchprojekt so etwas wie ein Spiegel sein kann. Ich transformiere mich schreibend und biete so die Transformationsfläche für andere – mit all meinen Lebensbaustellen.

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