Das Feuer, in dem ich grad stehe – oder: Ich als Werkzeug…

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Mein Menschenlehrer-Tagebuch Part 11
inspiriert von Veit Lindaus Artikel: „In Deinem Feuer stehen – Ostern ganz persönlich nehmen“

Ostern – Zeit des Frühlingserwachens. Die Zeit, in der das alte Jahr sich endgültig verabschiedet, der letzte Schnee vergeht. Zeit, in der Neues entsteht. Bäume und Blumen erblühen, frischer Wind weht uns um die Nase. Sowohl in der Natur und in früheren heidnischen Ritualen, als man mit Osterfeuern die Wintergeister restlos vertrieb, als auch in der christlichen Mystik ist das Osterfest das Fest der Auferstehung, der endgültige Sieg des frischen Frühlings über den Winter. Ein Symbol der Hoffnung.

Ostern persönlich nehmen. Wo stehe ich gerade im Feuer? 

Für mich im Feuer stehen…

… das heißt, für mich selbst einzustehen, mich selbst wichtig zu nehmen. Gerade beginne ich eine integrale Lebenspraxis für mich zu etablieren. (Fast) zum ersten Mal in meinem Leben tue ich etwas nur für mich, für meinen Körper, für mein Wohlsein. Ich tue das nicht, um eine Leistung zu erfüllen, irgendwo zu glänzen, die Beste zu sein, abzuliefern. Ich tu es das wirklich allein für mich.

… heißt auch für meine eigenen Anliegen einzustehen. Seit Jahren rede ich davon, dass ich endlich MEIN Buch schreiben will. Ich spüre sehr deutlich, dass ich etwas Besonderes zu sagen habe, es mit der Welt zu teilen haben.

… bedeutet dabei auch zu zweifeln. Ist das wirklich etwas Besonderes, das ich zu sagen habe? Oder ist es persönliche Eitelkeit? Ist das eines von Millionen von Bücher im Büchermeer? Ist es ein Egotripp? Ist „mein Vers, den ich zum Lebenslied beitragen kann“, wirklich wertvoll?

… bedeutet auch, mir meinen Wert dafür einzugestehen. Ich liebe es zu schreiben. Allein schreiben zu dürfen ist für mich ein Geschenk. Doch wenn ich das so sehr liebe, dann heißt das auch für mich fündig zu sein und Modelle und Wege zu finden, die es mir ermöglichen, davon zu leben.

… heißt auch, mich finden zu lassen.  Ich schreibe, bin ganz da, gehe voll dafür, und es wird sich fügen. Es wird sich zeigen, ob ich wirklich so gemeint bin. Wenn ich wirklich dafür im Feuer stehe.

In diesem Jahr heißt das „Im-Feuer-stehen“ für mich auch noch etwas Weiteres:

Ich stehe gemeinsam mit weiteren Menschen im Feuer für ein gemeinsames Anliegen. Unser Anliegen, das wir gerade für eine weitaus größere Gruppe von Menschen formen – für etwa 600 Menschen, alle Menschen der Menschenlehrer-Ausbildung, zumindest alle, die Lust darauf haben, sich daran zu beteiligen. Ein großer Auftrag, eine große Verantwortung, eine Hüteraufgabe. Als Ich-Wir vor einigen Wochen ganz überraschend den Auftrag dafür bekamen (oder Ich-Wir uns des Auftrags annahmen), ein gemeinsames Anliegen zu formen, erfüllte mich das mit ziemlichem Respekt. Langsam wird etwas sichtbar, der Weg dahin ist bisher leicht, schön und konstruktiv.

Im Nachhören des ersten Ausbildungsabschnitts wird immer klarer, wie zentral dieses Finden des gemeinsamen Anliegens ist. Es zieht sich wie ein Mantra durch die bisherigen Lektionen. Fast mystisch ist auch, dass wir in der Anliegen-Gruppe das Bild eines Baums fanden, der für uns das gemeinsame Anliegen in all seinen Potenzialen verkörpert. Mir war gar nicht (mehr) bewusst, dass die Abschluss-Meditation des ersten Moduls die Geschichte eines Baums erzählt, der in Fesseln liegt, beschnitten ist und dann befreit wird, wieder Zutrauen zu sich selbst gewinnt und sich dann entfaltet. Wie wundersam!

Wunderschön und berührend auch die Menschen, die Anfang März in Hamburg ihre Einzel-Anliegen auf die Bühne brachten. Ich habe daraufhin nochmal selbst die Medition nachempfunden. Mein Wort, das kam, war GEBORGENHEIT. Meine tiefste Sehnsucht in dieser Ausbildung ist es, mir selbst und allen Menschen um mich herum Geborgenheit zu schenken, die bedingungslose Sicherheit, so geliebt zu sein, wie er oder sie gemeint ist. Ich möchte das Gefühl schenken, dass jeder Mensch um mich herum wertvoll ist, dass wir alle miteinander groß und wundervoll sind. 

Jetzt bete ich dafür,

… dass wir es schaffen, wirklich das gemeinsame Anliegen zu finden und es so zu transportieren, dass es möglichst viele Menschenlehrer*innen motiviert und inspiriert, aus diesem Anliegen etwas zu machen

… dass wir es wirklich schaffen, unsere Egos zurückzunehmen, um das Anliegen durch uns hindurch agieren zu lassen

… dass wir dieses Wunder geschehen lassen.

Und so ist mein „Im-Feuer-stehen“ beides: ich stehe für mich selbst im Feuer und ich stehe gemeinsam mit anderen im Feuer für ein Anliegen – und hoffentlich in beiden Fällen so, dass etwas durch mich-uns hindurchwirken kann.

Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Monate und darauf, was ich am Ende des Jahr 2018 zu erzählen haben werde.

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