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Patch-Life oder: Meine Familie, meine Berufung und ich sind gleichberechtigt

Beitrag zur Blogparade von Gwynnefer Silvia Kinne zum Thema „Frauen und Macht“

„Wenn die Frauen endlich das Gefühl haben,
dass sie einfach sie selbst sein können
und nicht versuchen müssen, wie die Männer zu sein,
und wenn sie dabei auch noch Rücksicht nehmen können
– dann wurden wirklich Fortschritte erzielt.“
(Ruth Anderson, Vice-Chairman bei KPMG)

Karriere machen, für die eigene Berufung im Feuer stehen und gleichzeitig Mutter sein?
Das scheint noch oft nicht miteinander vereinbar zu sein, trotzdem sich geschlechtsspezifische Rollenklischees aufzulösen beginnen. Vereinzelt gelingt das wohl, doch ich erlebe bei vielen Müttern eine Zerrissenheit: Während sie im Beruf ihre Frau stehen, schwirrt ihnen das kranke Kind im Kopf umher, Während sie sich um ihr Kind kümmern, muss nebenbei noch das nächste Projekt gestemmt werden. Auch ich bin lange nicht frei davon. Ich weiß es also lange nicht besser und habe oft auch keine Lösungen. Ich mag einfach meine Geschichte mit Dir teilen, vielleicht findest Du Dich ja darin wieder. In jedem Fall finde ich: Wir haben hier noch gut zu tun, und es darf viel selbstverständlicher werden, dass Berufs- und Familienleben sich miteinander versöhnen. Sie sind keine Feinde, sie bedingen einander und können sich sogar inspirieren.

Das ist meine eigene Geschichte:

Als ich Kind war, reisten wir einmal gedanklich ins Jahr 2000 – im Jahr 2000 würde ich 29 Jahre alt sein. Für mich war sonnenklar: Dann stehe ich fest und erfolgreich im Beruf und habe 3-4 Kinder. „Das geht nicht. Das kannst Du Dir von vornherein abschminken“, erwiderte meine Mutter im Brustton der Überzeugung. Muttersein und gleichzeitig zu arbeiten und sogar Karriere machen, das schien für sie unvereinbar zu sein. Als ich dann schließlich 29 Jahre alt war, war ich – fast frisch nach Ausbildung und anschließendem Studium – in einem verheißungsvollen Traumjob mit Perspektive bei einem Großkonzern gelandet – und arbeitete mindestens 60 Stunden in der Woche – oft sogar mehr. Der Job bereitete mir riesig Freude, schließlich war das, was ich tat auch irgendwie wichtig. Doch es klopfte immer mal wieder die Sehnsucht bei mir an, Mutter werden zu wollen, es zu spüren wie ein Kinder in mir wächst, einem kleinen Wesen Liebe schenken zu können. Im Jahr 1998 kurz vor Studienende hatte ich sogar eine langjährige Beziehung beendet, weil dieser Mann keine Kinder wollte. Allerdings wollten die Männer, denen ich in der Zeit um die Jahrtausendwende näher kam, meistens nur Affären, nichts Festes. Offen gestanden hätte auch ich mich damals mich selbst nicht tiefer in Beziehungen begeben können.  Doch meine biologische Uhr tickte.

Und? Wie halten Sie es mit der Familienplanung?

Als ich schließlich konzernintern den Job wechselte, kam beim Bewerbungsgespräch die Frage auf den Plan, einer Gretchenfrage gleich: „Und, wie halten Sie es mit der Familienplanung?“ Ich sagte, dass das noch Zeit habe. Macht „man“ ja so, wenn man einen Job haben will. Zumindest damals machte „man“ das in meiner Vorstellung so. Heute würde ich damit ehrlicher und offener umgehen und finde es ein Unding, dass davon Karrieren abhängen. Ja, ich sagte, das habe noch Zeit, doch innerlich schrie es in mir. Da war eine so tiefe Sehnsucht, Leben zu schenken. Claus-Marc-Thomas-Daniel-Daniel-Werner-Sebastien-Pierre-Yves-Jean kamen und verneinten und gingen, doch meine Sehnsucht blieb. Zwei beste Freundinnen waren fest an meiner Seite –auch ihr Leben verlief sexuell turbulent, aber unerfüllt. Susanne sagte einmal: „Steffi, wenn´s mit dem nächsten Mann nicht klappt, lass uns lesbisch werden, ich liebe Dich sowieso.“

Unverhofft kommt oft: Endlich werde ich Mutter 

Dann kam Stefan in mein Leben. Und mit ihm Marten. Wir lernten uns beim Wandern in Ligurien kennen. Es war so leidenschaftlich, dass ich alles vergaß, und so zeugten wir sofort ein Kind, vermutlich sogar in einer unserer ersten Nächte. So wuchs Marten in mir, das größte Geschenk meines Lebens. Ich war so froh, doch auch gleichzeitig so voller Ehrfurcht vor diesem Leben, das in mir heranreifte. Da war jemand vollends von mir abhängig, noch nie habe ich so eine große Verantwortung gegenüber einem Wesen oder einer Sache gespürt. So spürte ich Marten in mir wachsen, ein neues Leben. Doch dafür starben andere Leben: In meinem Job war mir in Aussicht gestellt worden, an einem Führungsnachwuchs-Programm teilnehmen zu dürfen. Davon war mit meiner Schwangerschaft keine Rede mehr; die Tür war fortan verschlossen. Heute bin ich dafür dankbar, denn Martens Geburt hatte für mich neue Wege vorgesehen.

Doch nicht nur beruflich gab es Umbrüche: Das neue Leben mit Stefan, Martens Papa, funktionierte auch nicht, war eigentlich schon eine Totgeburt, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Doch ich traute mich erst, als Marten ein Jahr alt war, mich von dieser Beziehung zu lösen. Der endgültige Auslöser, das letzte I-Tüpfelchen mich zu trennen (es gab noch viele Gründe mehr), war übrigens genau das Thema „Gleichberechtigung“: Stefan und ich hatten vereinbart, dass zunächst ich ein Jahr Elternzeit nehme und dann er. Doch kurz bevor Stefan seine Elternzeit nehme sollte, machte der einen Rückzieher. „Das kann ich doch nicht machen, wie stehe ich denn bloß vor den Kollegen da? Außerdem gefährde ich doch meine Karriere“, redete sich Stefan heraus. Und das, obwohl ich in meinem damaligen Job fast doppelt so viel verdiente wie er.

In der Doppelrolle: Mutter und gleichzeitig Karrierefrau

Kurzerhand organisierte ich eine Tagesmutter und zog ich einen Schlussstrich unter die Beziehung. Weil ich wirklich unabhängig sein wollte – auch finanziell, war die Lösung wieder voll arbeiten zu gehen. Mein Sohn war während der Arbeitszeit bei einer liebevollen Tagesmama, die sich als absoluter Glücksgriff herausstellte. Ein Jahr nach Martens Geburt wieder arbeiten zu gehen, war nicht nur ein finanzieller sondern auch ein genereller Befreiungsakt für mich: Meine Arbeit gab mir Sinn und Identität, gab mir Sichtbarkeit, gab mir das Gefühl etwas Wert zu sein. Mich allein um meinen Sohn zu kümmern, reichte mir nicht, machte mich depressiv. Ich entsprach dem kollektiven Glaubenssatz, dass berufliche Anerkennung offenbar mehr Wert ist als das „Heimchen am Herd“ zu sein. Ich brauchtei Anerkennung im Außen, weil ich aus mir selbst heraus nicht wertvoll genug schien. Dabei kann es doch eigentlich nichts Schöneres geben, als Mutter zu sein. Ich habe die Frauen, die ausschließlich Mutter sein konnten und in dieser Rolle (zeitweise) total aufgingen, stets sehr bewundert. Ich vermochte das nicht, zumindest damals nicht. Heute weiß ich, dass das mit mangelnder Selbstliebe zu tun hatte, doch ich konnte damals schlicht nicht anders.

Bei meiner Arbeitsstelle stieß ich nach der Elternzeit auf unausgesprochene Widerstände. Mein damaliger Chef war sehr konservativ, fand, dass ich besser mindestens drei Jahre zu Hause bleiben sollte. So war klar, dass es hier eine neue Lösung brauchte, auf der jetzigen Stelle konnte ich nicht mehr bleiben. Meinem Chef und meinen Kollegen erzählte ich auch nicht, dass ich alleinerziehend und auf den Job angewiesen war. Ich mache auf „heile Welt“, hatte keine Lust, auch deshalb noch Stress zu bekommen.

Passender Weise interessierte sich ein anderer Unternehmensbereich für mich und wollte mich einstellen. Allerdings zeichnete sich nach einiger Zeit ab, dass die neuen Stellen nicht geschaffen werden konnten. Doch mein designierter Chef machte mir schließlich ein interessantes Angebot: „Sie könnten doch auch freiberuflich für uns arbeiten!“ Über eine solche Konstellation hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Mit einer fetten Abfindung, die ich von meinem Arbeitgeber erhielt, erschien mir das damals fast wie ein Sechser im Lotto. Das bedeutete: von zu Hause arbeiten zu können und damit sehr flexibel zu sein, was die Kinderbetreuung anging.

So startete ich mit viel Enthusiasmus in das Abenteuer Freiberuflichkeit und Unternehmertum, das es mir ermöglichte, meinen Berufungswünschen nachzugehen, wie auch mich um mein Kind zu kümmern, ganz so, wie ich es brauchte. Das hat vieles erleichtert und hat sich bis heute als gute Lösung erwiesen – mit einer optimalen Abrundung: Seit einem Jahr habe ich eine Halbzeitstelle (die Renten- und Krankenversicherung für mich zahlt – wie großartig!) und kann meine freiberuflichen Tätigkeiten darum herum bauen. Meine Halbzeitstelle kann ich sehr flexibel im Homeoffice ausüben, was die Berufs-Familien-Kombi sehr vereinfacht. Ich bin mit tollen Jobs gesegnet, die mich erfüllend tätig sein lassen und mir große Gestaltungsspielräume für meine Berufe und mein Familienleben schenken. So sehr DANKE, dass das möglich ist!

Und doch: Es ist ein Schattenthema

Ich kann dennochnicht verhehlen: Mir Freiräume zu organisieren, ist für mich (leider) dann manchmal doch ein Kampf –  bspw. wenn ich an den Wochenende unterwegs bin, muss ich schauen, ob mein Sohn beim Papa Stefan sein kann, die Zeit bei meinem neuen Partner Michael verbringen oder ob ich ihn sogar mitnehmen kann. Ja, es ist manchmal ein Kampf (ich muss es leider so schreiben, denn ich habe das Gefühl, diese Freiräume für mich erkämpfen zu müssen, die Väter haben sie wie selbstverständlich ich muss sie mir schaffen). Hier ist also noch Luft nach oben, für den ich selbst sorgen kann, in dem ich weniger im Wutmodus agiere.

Die Liebe zum Kind und die Liebe zur Berufung

Mein Sohn ist das größte Geschenk meines Lebens, er ist mein großer Lehrer. Er hat mich gelehrt, wie sich bedingungslose Liebe anfühlt. Er zaubert mir so oft ein Lächeln ins Gesicht und Tränen in die Augen. Er lässt mich Vorbild sein, Lehrerin und Schülerin zugleich. Er schenkt mir Bestätigung, wenn ich sehe, wie liebevoll, aufrecht, selbstbewusst und humorvoll er heute im Leben steht. Sein „Mama, ich hab dich ganz doll lieb“, ist oft der schönste Satz des Tages. Gleichzeitig bin ich auch dankbar für die Zeiten, die ich für mich sein kann, für mich selbst und für meine Berufung. Ich finde, das ist keine Zerrissenheit, sondern zeigt, dass wir Frauen vielfältig Mensch sind – mit dem Bedürfnis Mutter zu sein, und dem Bedürfnis, uns auch in anderen Formen auszudrücken, Unternehmen und die Gesellschaft zu formen. Und ich glaube, wir werden in unserer Vielfalt gebraucht – und mit unseren weiblichen Qualitäten, gerade auch, wenn wir Mütter sind.

Einfache Mutter plus Kopfgeburten

Übrigens bin ich einfache Mutter geblieben. Nach Marten war ich noch einmal schwanger, doch es sollte nicht sein. Das Affärending ging weiter, und in den Folgejahren kreierte ich einige berufliche Babys. Kopfgeburten würde Günter Grass sie nennen. Manchmal bin ich wehmütig deshalb. Ich finde, Kinder zu zeugen, ist etwas Großartiges. Doch bin ich froh und stolz und verliebt in meinen Sohn und dankbar, dass das Leben ihn mir geschenkt hat und ich ihm das Leben schenken durfte. Mehr Kinder sollten es nicht sein.

Was hat dieser Artikel mit Macht zu tun?

Ich glaube, dass Muttersein, eine Familie zu haben und fest im Berufsleben zu stehen, miteinander vereinbar ist, und das hat ganz viel mit Selbstermächtigung zu tun, damit zu tun, sich seine eigenen Sehnsüchte einzugestehen. Es gibt hier kein Schwarz oder Weiß, und ich wünsche mir, dass Frauen darin unterstützt werden, flexible Wege zu finden, beruflich teilzuhaben und trotzdem Mutter zu sein. Denn das ist kein Makel, sondern schafft neuen Perspektiven, die in einem guten Leben ihren Platz brauchen. Ich finde, hier ist gesellschaftlich noch ganz viel Luft nach oben.

Während ich dies schreibe, an einem schönen Vormittag des 1. Mai 2017, spielen mein Sohn, mein Mann und meine Mutter nebenan ein Würfelspiel. Ich nehme mir den Freiraum, diesen Artikel zu schreiben. Weil auch das für mich Nahrung für meine Seele ist. Gleich schließe ich mich den Spielenden an – mit dem entspannten Gefühl, vorab gut für mich gesorgt zu haben. Danke, dass ich immer besser auf meinen Weg bin.         

 

„Das Grundeinkommen ist ein Kulturimpuls für ein vertrauensvolles Miteinander“

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Interview mit Susanne Wiest, der Bundesvorsitzenden der neu gegründeten Partei „Bündnis Grundeinkommen“, die sich für die Wahl in den Deutschen Bundestag bewirbt

Zum Ende des Jahres 2008 startete die Tagesmutter Susanne Wiest eine Petition zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ an den Deutschen Bundestag. Der Hintergrund: Ihr spärliches Einkommen war aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen nochmals dezimiert worden, so dass sie davon immer weniger leben konnte. Wiests Online-Petition erzeugte eine fulminante Resonanz: Die Server des Bundestages brachen zusammen, über 50.000 Menschen stimmten innerhalb weniger Tage für die Petition. Eine Überraschung auch für Susanne Wiest, die bisher genauso wenig mit dem Internet am Hut hatte wie auch damit, sich politisch zu involvieren. Schließlich konnte sie ihr Anliegen im November 2010 persönlich im Deutschen Bundestag vortragen. Ihr Thema zog weite Kreise: Erst im Jahr 2013 wurde der Vorgang abgeschlossen mit der Empfehlung des Petitionsausschusses an den Bundestag, die Petition abzulehnen.

Doch Susanne Wiests Engagement für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ging beharrlich weiter – mit einer wachsenden Anzahl an weiteren Aktivist*innen. Jetzt hat sich im Herbst 2016 die neue Partei „Bündnis Grundeinkommen“ aus der deutschen Bewegung zum Grundeinkommen gegründet, die sich dafür stark macht, auf die Wahlzettel zur Bundestagswahl zu gelangen, damit das Bedingungslose Grundeinkommen für alle wählbar wird . Susanne Wiest wurde zur Bundesvorsitzenden dieser Partei gewählt und steht auf Listenplatz 1 der Landesliste für Mecklenburg-Vorpommern.

 Wie bist Du auf die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens aufmerksam geworden und was fasziniert Dich daran? 

Vor ungefähr zehn Jahren bin ich zufällig im Internet auf eine goldene Karte gestoßen, die mir die Frage stellte, „Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?“. Ich reagierte empört, wer sorgt denn für mein Einkommen? Das ist doch der Stress meines Lebens. Ich liebte meine Arbeit als Tagesmutter, musste mir aber ständig Sorgen darum machen, dass mein Einkommen für den Lebensunterhalt ausreicht. Auch die Familien der Kinder, die ich betreute, verdienten oft zu wenig, so dass ich für die Betreuung nur geringe Summen nehmen konnte. Ein Teufelskreis. Erbost drehte ich also die Karte um und stieß auf die Website der Schweizer Initiative Grundeinkommen. Mir wurde sofort klar, das ist endlich eine kluge, zukunftsweisende Antwort auf die Probleme unserer heutigen Zeit. Die bisherige Antwort aus der Politik auf diese Problematik war stets gewesen, dass wir wieder Vollbeschäftigung erreichen müssen, dabei ist doch klar, dass unsere Entwicklung genau gegenläufig ist. Immer mehr Arbeit wird von Maschinen gemacht.

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens überzeugte mich also sofort. Das war Liebe auf den ersten Blick.

Du beschäftigst Dich jetzt also seit zehn Jahren mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen – wie hat sich Dein Verständnis dieses Konzepts im Laufe der Jahre verfeinert und verändert? 

Je mehr ich mich mit dem Grundeinkommen beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Das Grundeinkommen ist ein Kulturimpuls. Es geht um weit mehr als einen ausgezahlten Geldbetrag, den jeder Mensch in unserem Land monatlich zur Verfügung hat. Das Grundeinkommen wirft die Frage auf „Wie wollen wir zusammen leben ?“. In einer Kultur der Kontrolle, des Misstrauens und der Bevormundung oder lieber in einem Klima von gegenseitigem Vertrauen, Zutrauen und Ermöglichung.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Grundeinkommen hat sich auch mein Arbeitsbegriff geweitet. Arbeit ist für mich nicht mehr nur sozialversicherungspflichtige Erwerbsarbeit – Arbeit ist viel mehr: Arbeit ist Leben.  Arbeit ist eine steile Treppe hoch zu gehen, gesund zu werden, ein Kind zu gebären und beim Aufwachsen begleiten. Arbeit ist ehrenamtlicher Fußballtrainer zu sein oder Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Es gibt so viel Arbeit, wie es Menschen gibt. Das meiste wird aber nicht bezahlt. Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen ziehen wir unserer Gesellschaft einen Boden ein, der alle trägt: es ermöglicht selbstbestimmte Arbeit an gesellschaftlich oder persönlich wichtigen Themen.

Rund um das Jahr 2011/2012 galt die Piratenpartei als Hoffnungsträger, und ihr gelang es in vier Landesparlamente einzuziehen. Doch der Boom verpuffte. Was haben die Piraten falsch gemacht und was wird das Bündnis Grundeinkommen daraus lernen, und es anders machen?

Die Piraten sind auch als monothematische Partei gestartet mit dem Thema der Digitalisierung und ihren Konsequenzen und Möglichkeiten für unser Land und für den politischen Alltag. In diesem Feld, das Angela Merkel als Neuland bezeichnete, waren die Piraten stark. Meiner Meinung nach sind sie dann leider dem Ruf nach einem Vollprogramm auf den Leim gegangen. In meinen Augen ein Fehler, der uns nicht passieren wird. Bündnis Grundeinkommen wird eine Ein-Themen-Partei bleiben. Das ist in unserer Satzung fest verankert. Unser Anliegen ist die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens. Das ist ein so umfassendes Thema, dass es in nahezu alle politischen Bereiche greift und auch unsere gesellschaftliche Grundhaltung verändert. Deswegen werden wir alle Debatten mit dem Blick auf dieses Thema führen und auch unser Abstimmungsverhalten dahingehend ausrichten. Ist das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt, löst sich Bündnis Grundeinkommen wieder auf.

Du hast es eben angesprochen: Das Bündnis Grundeinkommen ist eine monothematische Partei. Wie werdet Ihr dann mit anderen Themen, mit dem vollen Programm umgehen, das Euch zweifelsohne im Bundestag erwarten wird?

Wie schon gesagt, werden wir all unser Agieren auf das Thema Grundeinkommen beziehen.

Wir gehen Schritt für Schritt. Mit aller Kraft arbeiten wir gerade jetzt daran wählbar zu werden. Dafür ist es erforderlich bundesweit 27 678 Unterstützungsunterschriften für die Wahlzulassung von Bündnis Grundeinkommen zu sammeln. Ist das geschafft, steht das Bedingungslose Grundeinkommen – BGE- auf allen Wahlzetteln und ist bundesweit wählbar. Das ist ein erster Meilenstein und ein großer Erfolg.

Eines der größten Fragezeichen hinsichtlich des Bedingungslosen Grundeinkommens ist seine Finanzierbarkeit. Was ist Deine Antwort darauf?

Über bedingte Einkommen verfügen heute nahezu alle BundesbürgerInnen. Das Geld ist also da.

Das was jede und jeder von uns sowieso zum Leben braucht, gewähren wir uns mit dem Grundeinkommen in Zukunft bedingungslos. In erster Linie ist dazu eine Umwidmung nötig: Von der Bedingtheit bestehender Einkommen, hin zur Bedingungslosigkeit.  Wie das konkret aussehen kann, dazu gibt es schon viele Überlegungen, Modelle und Berechnungen. Es ist eines unserer Vorhaben im Bundestag diese Fragen im Rahmen einer Enquete Kommission zu bewegen. Aber wie gesagt, momentan sammeln wir die erforderlichen Unterschriften für die Wahlzulassung von Bündnis Grundeinkommen und wir freuen uns dabei über jede Unterstützung.

Vielen Dank für das freundliche Gespräch!

 

Dieses Interview wird parallel zu einem Plädoyer für das Bedingungslose Grundeinkommen im Online-Magazin compassioner veröffentlicht – hier zu lesen:

Bedingungsloses Grundeinkommen – ein neues gesellschaftliches Betriebssystem
Die Artikel enthält auch zahlreiche weitere Links

Website der Partei „Bündnis Grundeinkommen“

Das Feuer, in dem ich grad stehe – oder: Ich als Werkzeug…

feuer

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Part 11
inspiriert von Veit Lindaus Artikel: „In Deinem Feuer stehen – Ostern ganz persönlich nehmen“

Ostern – Zeit des Frühlingserwachens. Die Zeit, in der das alte Jahr sich endgültig verabschiedet, der letzte Schnee vergeht. Zeit, in der Neues entsteht. Bäume und Blumen erblühen, frischer Wind weht uns um die Nase. Sowohl in der Natur und in früheren heidnischen Ritualen, als man mit Osterfeuern die Wintergeister restlos vertrieb, als auch in der christlichen Mystik ist das Osterfest das Fest der Auferstehung, der endgültige Sieg des frischen Frühlings über den Winter. Ein Symbol der Hoffnung.

Ostern persönlich nehmen. Wo stehe ich gerade im Feuer? 

Für mich im Feuer stehen…

… das heißt, für mich selbst einzustehen, mich selbst wichtig zu nehmen. Gerade beginne ich eine integrale Lebenspraxis für mich zu etablieren. (Fast) zum ersten Mal in meinem Leben tue ich etwas nur für mich, für meinen Körper, für mein Wohlsein. Ich tue das nicht, um eine Leistung zu erfüllen, irgendwo zu glänzen, die Beste zu sein, abzuliefern. Ich tu es das wirklich allein für mich.

… heißt auch für meine eigenen Anliegen einzustehen. Seit Jahren rede ich davon, dass ich endlich MEIN Buch schreiben will. Ich spüre sehr deutlich, dass ich etwas Besonderes zu sagen habe, es mit der Welt zu teilen haben.

… bedeutet dabei auch zu zweifeln. Ist das wirklich etwas Besonderes, das ich zu sagen habe? Oder ist es persönliche Eitelkeit? Ist das eines von Millionen von Bücher im Büchermeer? Ist es ein Egotripp? Ist „mein Vers, den ich zum Lebenslied beitragen kann“, wirklich wertvoll?

… bedeutet auch, mir meinen Wert dafür einzugestehen. Ich liebe es zu schreiben. Allein schreiben zu dürfen ist für mich ein Geschenk. Doch wenn ich das so sehr liebe, dann heißt das auch für mich fündig zu sein und Modelle und Wege zu finden, die es mir ermöglichen, davon zu leben.

… heißt auch, mich finden zu lassen.  Ich schreibe, bin ganz da, gehe voll dafür, und es wird sich fügen. Es wird sich zeigen, ob ich wirklich so gemeint bin. Wenn ich wirklich dafür im Feuer stehe.

In diesem Jahr heißt das „Im-Feuer-stehen“ für mich auch noch etwas Weiteres:

Ich stehe gemeinsam mit weiteren Menschen im Feuer für ein gemeinsames Anliegen. Unser Anliegen, das wir gerade für eine weitaus größere Gruppe von Menschen formen – für etwa 600 Menschen, alle Menschen der Menschenlehrer-Ausbildung, zumindest alle, die Lust darauf haben, sich daran zu beteiligen. Ein großer Auftrag, eine große Verantwortung, eine Hüteraufgabe. Als Ich-Wir vor einigen Wochen ganz überraschend den Auftrag dafür bekamen (oder Ich-Wir uns des Auftrags annahmen), ein gemeinsames Anliegen zu formen, erfüllte mich das mit ziemlichem Respekt. Langsam wird etwas sichtbar, der Weg dahin ist bisher leicht, schön und konstruktiv.

Im Nachhören des ersten Ausbildungsabschnitts wird immer klarer, wie zentral dieses Finden des gemeinsamen Anliegens ist. Es zieht sich wie ein Mantra durch die bisherigen Lektionen. Fast mystisch ist auch, dass wir in der Anliegen-Gruppe das Bild eines Baums fanden, der für uns das gemeinsame Anliegen in all seinen Potenzialen verkörpert. Mir war gar nicht (mehr) bewusst, dass die Abschluss-Meditation des ersten Moduls die Geschichte eines Baums erzählt, der in Fesseln liegt, beschnitten ist und dann befreit wird, wieder Zutrauen zu sich selbst gewinnt und sich dann entfaltet. Wie wundersam!

Wunderschön und berührend auch die Menschen, die Anfang März in Hamburg ihre Einzel-Anliegen auf die Bühne brachten. Ich habe daraufhin nochmal selbst die Medition nachempfunden. Mein Wort, das kam, war GEBORGENHEIT. Meine tiefste Sehnsucht in dieser Ausbildung ist es, mir selbst und allen Menschen um mich herum Geborgenheit zu schenken, die bedingungslose Sicherheit, so geliebt zu sein, wie er oder sie gemeint ist. Ich möchte das Gefühl schenken, dass jeder Mensch um mich herum wertvoll ist, dass wir alle miteinander groß und wundervoll sind. 

Jetzt bete ich dafür,

… dass wir es schaffen, wirklich das gemeinsame Anliegen zu finden und es so zu transportieren, dass es möglichst viele Menschenlehrer*innen motiviert und inspiriert, aus diesem Anliegen etwas zu machen

… dass wir es wirklich schaffen, unsere Egos zurückzunehmen, um das Anliegen durch uns hindurch agieren zu lassen

… dass wir dieses Wunder geschehen lassen.

Und so ist mein „Im-Feuer-stehen“ beides: ich stehe für mich selbst im Feuer und ich stehe gemeinsam mit anderen im Feuer für ein Anliegen – und hoffentlich in beiden Fällen so, dass etwas durch mich-uns hindurchwirken kann.

Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Monate und darauf, was ich am Ende des Jahr 2018 zu erzählen haben werde.

kurs-in-wundern

Das letzte Kapitel meines ersten Menschenlehrer-Buchs – Ein Tag am Ende des Jahres 2018

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Part 11

einstein

Es ist Samstag, der 08. Dezember 2018 – ein schöner Tag, um dieses ganz besondere Jahr zu feiern. Wir surfen und tanzen zusammen durchs Welt-All in einer Location, die sich Welt-All nennt. Zwei ganz besondere Jahre liegen hinter mir, hinter uns. Gemeinsam konnten wir Geschichte schreiben, haben die Saat für „Neue Sternstunden der Menschheit – Die innere Reise“ mit gelegt. Vor Jahrhunderten entdeckten etwa Christopher Kolombus, Vasco da Gama, Marco Polo und Alexander von Humboldt neue geographische Terrains. Wir gingen auf Bewusstseinsreise, aktivierten neue Areale unseres Seins, eroberten ins uns schlafende Potenziale. Erwachten. Entdeckten neue Bewusstseinsräume. Albert Einstein sagte:

„Kein Problem kann auf der Bewusstseinsebene gelöst werden,
die es geschaffen hat.“

Deshalb sind wir aufgebrochen, um uns neue Dimensionen zu erschließen. Denn wir alle sahen und sehen die Herausforderungen und Probleme, die wir uns selbst geschaffen hatten: ein kollektives Burnout auf vielen Ebenen. Eine erschöpfte Welt. Erschöpfte Menschen. Kriege im Innen und Außen. Ungerechtigkeiten. Ellenbogen. Wir hatten die Ahnung, dass es besser anders geht und machten uns auf. Wir sind ein lebendiges Experiment, entdeckten Räume der Stille inmitten des lauten Lärm um Alles und Nichts, kultivierten die Lust auf ein neues Bewusstsein, das die Balance von Innen und Außen lebt und deswegen die Bestätigung und Status im Außen nicht mehr so nötig hat, freundeten uns an mit unseren Schatten und konnten deshalb immer besser Frieden schließen, mit uns selbst und anderen.

Wir. Heute feiern wir. Ahnend, dass wir unsere neue Menschen-Möglichkeit wahr machen können. Wir haben es in der Hand. Weil wir uns der Schätze unserer Vergangenheit erinnert haben und sie jetzt integrieren können. Wir haben uns als gute Schüler erwiesen und sind selbst zu guten Lehrern gereift. Menschenlehrer. Den Tag haben wir mit einer Zeremonie begonnen, jeder von uns präsentierte kurz eines seiner und ihrer Learnings in einer Performance, jede und jeder wurde gefeiert, gebührend gewürdigt, johlend beklatscht oder erntete beührte Stille für ihre oder sein Wahrhaftigkeit. Jede und jeder bekam dann ganz feierlich ihr und sein Zertifikat überreicht. Jetzt tanzen wir ausgelassen, baden in der Musik, geben uns ihr voll und ganz hin, um uns selbst zu feiern, um die Menschheit zu feiern. Das Jahr 2030 kann kommen. Wir sind bereit. Bis dahin werden wir die Welt in Balance gebracht haben. Ein Versprechen, dass wir nun unseren Nachkommen ganz fest geben können.

Und was war, was ist mein Anteil daran?  Ich bin dabei. „Lass mich Teil einer nachhaltigen (Unternehmer-)Bewegung sein, die die Welt zu einem besseren Platz machen.“ In Anlehnung an einen Tocotronic-Song habe ich vor ein paar Jahren diesen Wunsch ausgesprochen. Jetzt ist er wahr geworden. Das ist das größte Geschenk.

Mein Anteil daran ist fast gar nicht so wichtig. Das größte Geschenk ist es, Teil dessen zu sein zu dürfen. Das gibt Glaube – Liebe – Hoffnung. Das Wichtigste: Ich bin voll und ganz wieder Mensch geworden. Ich stehe zu mir. Ich bin wirklich zum Teil der Veränderung geworden, die ich mir für diese Welt wünsche. Ich habe mit meinen Talenten und Kompentenzen meinen Beitrag dazu geleistet, diese Veränderung herbeizuführen.

Ich habe mein Buch geschrieben, dieses das vor Dir liegt, und vermutlich noch ein anderes. (Da ich dies im Frühjahr 2017 schreibe, vermag ich es noch nicht genau zu sagen. Zum jetzigen Zeitpunkt sage ich: Es werden zwei Bücher sein.) Die Bücher habe ich in erster Linie für mich geschrieben, das war mir sehr wichtig. Weil das rauswollte und meinen Veränderungsprozess formte. Mein Spiegel. Schreiben ist mein Ausdrucks- und Bewusstseinswerkzeug.

Gemeinsam mit anderen habe ich außerdem etwas geformt, das anderen Menschen ein Spielfläche bietet, dieses neue Menschsein voller Lust, Leidenschaft, Freude, Trauer und Wahrhaftigkeit auszuprobieren. Das neue Menschsein entwickelt sich langsam zum Kult, zu einer Art Popkultur. Das neue Menschsein greift um sich – und wir konnten es mit initiieren!

Konkreter mag ich heute, am 13. April 2017, noch nicht werden. Doch ich spüre heute, was alles möglich ist in diesen kommenden knapp 20 Monaten. In dieser Zeit lernt ein Neugeborenes gut laufen und fängt dann langsam an zu sprechen, sich zu artikulieren. Und so bin ich voller Vorfreude auf die nächsten Monate, werde voll und ganz dabei sein und mein Bestes geben, auf dass wir es am 08. Dezember 2018 ordentlich krachen lassen – und all das feiern, was wir bis dahin aufgebrochen haben – in uns und anderen, für die Welt in uns und um uns herum. Ich freue mich auch darauf, am frühen Morgen des 08. Dezember 2018 diese Zeilen hier zu lesen und abzugleichen mit der Realität, in der ich dann lebe werde. Ja, ich mache mir gleich ein Erinnermich in meinen Kalender.

So ist dieser 08. Dezember 2018 zwar ein Abschlussfest, eine Feier von uns Menschenlehrern. Doch in ihm liegt ein entscheidender Anfang: Denn nun tragen wir Menschenlehrer all das, was wir in den vergangenen Monaten gelernt haben, immer weiter in diese Welt und leisten einen Beitrag zu ihrer Transformation. Und auch ich wirke daran. Deswegen mag zwar dieses Kapitel vielleicht das Ende meines ersten Menschenlehrer-Buches bedeuten. Doch ich bin mir sicher, die Geschichte wird in weiteren Büchern fortgeschrieben und davon künden, wie wir diese Welt verändern. Also: Machen wir weiter!

Namasté!     

    

Die Balance finden: Meine Integrale Lebenspraxis – und was sie mit der Weltrettung zu tun hat

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Part 10

balance

Im Gleichklang zu sein, die Balance zu finden, eine wirklich integrale, ausgewogene Lebenspraxis zu etablieren, ist eine große Herausforderung für mich. Ich bin immer sehr im „Schaffen, Schaffen, Schaffen“ unterwegs, bin im Außen produktiv, arbeite ToDo-Listen ab, sehe, was alles getan werden will oder auch „muss“ und gestehe mir dann meistens nicht ein, dann „auch noch“ Sport zu machen, mich gesund zu ernähren, einmal inne zu halten, zu entspannen. Scheint in meinem vollen All-Tag nicht drin zu sein. So nach dem Motto „Erst die Arbeit und dann…“, nur dass es zu dem „und dann…“ nur äußerst selten kommt.

Weitere Herausforderung ist dabei für mich, dass ich mir gerade seit einigen Wochen eine Schreibdisziplin auferlegt habe: Ich strebe an, jeden Morgen um 5 Uhr aufzustehen, um ein-zwei Stunden an meinem Buch geschrieben zu haben, bevor der All-Tag beginnt. Das hat für mich gerade sehr hohe Priorität.

Wie soll da noch zusätzlich Platz sein für die anderen Aspekte, die ein Leben ins Gleichgewicht bringen könnten? Meinen Körper trainieren, wie banal. Ich bin doch dabei, die Welt zu retten ;-). Glücklicherweise ist mir vor kurzem ein Zitat von Paulo Coelho über den Weg gelaufen.

„Weil sie weiß, dass die Zeit für sie arbeitet,
hat es die Kriegerin des Lichts nie eilig. …
Sie weiß, dass sie an einem entscheidenden Augenblick
in der Geschichte der Menschheit teilhat
und sich selbst ändern muss,
bevor sie die Welt verändern kann.
Daher erinnert sie sich an die Worte von Lanza del Vasto:

„Eine Revolution braucht Zeit, um Fuß zu fassen.“
Eine Kriegerin pflückt eine Frucht erst, wenn sie reif ist.“

Aha, eine Revolution, eine ReLove-ution, an der ich ja teilhaben und sie mitgestalten will, lässt sich also nicht erzwingen, mit 16 Stunden-Tagen erarbeiten. Sondern in Ruhe, Beharrlichkeit und Gelassenheit. Es könnte also sein, die Chance ist tatsächlich da, dass ich JETZT einen heiligen Grund habe, warum eine integrale Lebenspraxis, Körpertraining, mir selbst gut tun, meinen Körper gut nähren, irgendwie doch Sinn macht. Weil all das einzahlt auf diesen großen ganzen Weltenplan, eine Welt in Balance, ein gutes Leben für uns alle. Weil meine Welt in Balance ist zumal ja auch „Anständig Essen“1)Siehe das gleichnamige sehr empfehlenswerte Buch von Karen Duve entscheidend zur Weltrettung beiträgt.

Ich bin wohl ein wenig schräg drauf:
Mein heiliger Grund muss schon die Weltrettung sein,
dass sich bei mir bezüglich einer integralen Lebenspraxis etwas bewegt.
Mir reicht es nicht, 15 Kilo abzunehmen und mir vorzustellen, wie geil mein Körper dann aussieht.
Das ist mir zu banal.

Ich finde, mit meiner Integralen Lebenspraxis – gerade auch mit Gelassenheit, mit einer gesunden Fürsorge für mich selbst, mit kontinuierlichem Körpertraining – einen Beitrag zur Weltrettung leisten zu können, ist wirklich ein guter Grund, diese auch tatsächlich einzuhalten. Wie gut, dass ich Menschenlehrerin bin – mit einem reinen Abnehmwunsch hätte ich ja auch zu Weight Watchers gehen können ;-)…)

Es besteht also noch Hoffnung – auch deshalb, weil mir in den vergangenen Wochen noch etwas Großartiges geglückt ist, dass mich beflügelt und begeistert hat:

Ich habe es tatsächlich geschafft zu fasten
– und es ist mir unfassbar leicht gefallen.
TAUSEND DANK an alle OMEGANER,
was war das für ein großartiger, geglückter Feldversuch!

Und was schrieb Hermann Hesse in seinem wunderbaren Roman Siddharta? Richtig:

Jeder kann zaubern,
jeder kann seine Ziele erreichen,
wenn er denken kann,
wenn er warten kann,
wenn er fasten kann.

Also dann: auf zur Weltrettung! Nach dem Fasten bin ich zwar gelegentlich in alte Ernährungsmuster zurück gefallen, doch seit Montag bin ich wieder am Ball. Jetzt gleich fabriziere ich mir ein leckeres, gesundes Frühstück, lege heute Nachmittag eine (Stokel-)Yogaeinheit ein, arbeite weiter am „Fit ist sexy“-Kurs (auch wenn ich den Titel mal wieder zu banal finde ;-)… würde er „Werde ganz und heil und gelange zum höheren Selbst“ heißen, würde mich das mehr anturnen). Wie gut, dass ich außerdem auch Teil eines tollen Holons bin. Die können mir in den Arsch treten, wenn ich es doch mal wieder nicht packe.

Und? Wie schaut es mit Eurer integralen Lebenspraxis aus?
Retten wir gemeinsam die Welt? 😉

Und bitte – erinnert auch Ihr mich daran, wenn es ich es wieder vergessen sollte: Genau diese Integrale Lebenspraxis ist eine entscheidende Voraussetzung für einen langen Atem und dass ich meine Ziele wirklich erreiche. Haha! Wuuuuhuuuu!

References   [ + ]

1. Siehe das gleichnamige sehr empfehlenswerte Buch von Karen Duve

Meine Ethik – Die Richtschnur meines Handelns

ethik-bild

 „Unabhängig davon, ob wir einer Religion angehören oder nicht, haben wir alle eine elementare ethische Urquelle in uns … Ethik – nicht Religion – ist in der menschlichen Natur verankert. Und so können wir auch daran arbeiten, die Schöpfung zu bewahren. Das ist praktizierte Religion und praktizierte Ethik.“
(aus: Der Appell des Dalai Lama an die Welt: Ethik ist wichtiger als Religion)

Wertebewusst und wertschätzend zu leben war mir schon immer sehr wichtig. Jedoch war ich mir der Bedeutsamkeit meiner Werte nicht bewusst und habe eher intuitiv wertebewusst gehandelt. Im Zuge der Menschenlehrer-Ausbildung bei Veit Lindau und als Teamleaderin im Human Trust beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Werte und ihrer Relevanz. Dadurch wird mir bewusst, dass ich einige meiner Lebenssituationen aufgrund dessen verändert habe, dass sie nicht stimmig mit meinen eigenen Grundwerten waren. So ist es für mich wichtig, meine zentralen Werte festzuhalten, in den Kontext einiger weiterer ethischer Manifeste zu stellen, die in meinem Leben wichtig sind, und mir dieses Gefüge von Zeit zu Zeit anzuschauen und anzupassen.

Folgende Werte stellen die Richtschnur meines Handelns dar, nach ihnen will ich streben und mein Handeln messen lassen. So möchte ich sein:

wesentlich

„Was ist eine Kriegerin des Lichts?“
„Sie ist diejenige, die das Wunder des Lebens zu begreifen weiß, die um das, woran sie glaubt, bis zum letzten kämpft und auch die Glocken hören kann, die das Meer in seinen Tiefen festhält. … Dazu ist übrigens jeder Mensch in der Lage. Doch nur wenige halten sich für eine Kriegerin des Lichts, obwohl jede eine sein könnte.“
(aus: Handbuch des Kriegers des Lichts von Paulo Coelho; alle weiteren nachfolgenden Zitate sind ebenfalls aus diesem Buch. Ich habe mich dazu entschieden, die weibliche Form zu verwenden.)

Ich bin überzeugt: Jeder Mensch, jedes Wesen trägt eine kostbare Essenz seines Seins sich, ihren und seinen Lebensauftrag. Wenn es-sie-er diese Essenz entdeckt und zur Entfaltung bringt, leistet sie ihren Beitrag zum Wohle aller Wesen auf diesem Planeten. Mir ist es ein zentrales Anliegen, diese Wesentlichkeit zu fördern und jedem Wesen seinen Raum zu schenken, dass es-sie-er diese Wesentlichkeit entdecken und zur Entfaltung bringen kann.

Was ich dafür tue:
Ich strebe danach, emphatisch zu sein, mich voll und ganz auf jedes Wesen mit all meinen Sinnen einzulassen. Dies schließt auch die Achtsamkeit gegenüber mir selbst ein. Deswegen schule ich mich regelmäßig (in Achtsamkeit) und bemühe mich darum, alles möglichst holistisch anzusehen, wohl wissend, dass meine bewusste Wahrnehmung stets nur einen Bruchteil dessen erfassen kann, was ist.

sinnvoll

„Die Krieger des Lichts erkennen einander am Blick. Sie leben in der Welt, gehören zur Welt und wurden ohne Rucksack oder Sandalen in die Welt geschickt. … Das macht sie zu Kriegern des Lichts. Dass sie sich irren. Dass sie fragen. Dass sie einen Sinn suchen. Und ihn am Ende finden.“

Mit der Essenz jedes Wesens verbindet sich sein tieferer Sinn, sein Auftrag, warum sie hier ist. Ich strebe danach sinnvoll tätig zu sein, mich nicht in Ausweichmanövern zu verlieren. Ich strebe danach, sinnstiftend zu agieren und zu sein, und andere Wesen zu ermuntern, ebenfalls sinnstiftend unterwegs zu sein. Ich suche intensiv nach meinem Sinn und lasse mich finden, glaubend, dass jedes Wesen eine Bestimmung hat, auf dieser Welt zu sein.

Was ich dafür tue?
Ich strebe nach Potenzialentfaltung und erlerne und praktiziere diverse Werkzeuge zur Potenzialentfaltung. Immer einmal wieder halte ich inne, um nachzuspüren, wie sinnvoll und dienlich für das Ganze ein Tun, ein Sein sind.

sinnlich

„Alle Wege der Welt führen mitten ins Herz der Kriegerin: Sie taucht, ohne zu zögern, in den Strom der Leidenschaften ein, die durch ihr Leben fließt. … Sie nimmt ihren Leidenschaften an und genießt intensiv.“
„Manche Kriegerin des Lichts richtet ihren Augenmerk auf die kleinen Wunder des Alltags. Sie ist fähig, das Schöne zu sehen, weil sie die Schönheit in sich trägt, denn die Welt ist ein Spiegel und wirft einem jeden Menschen das  Bild seines eigenen Gesichts zurück.“

Wir Menschen sind nicht nur mit einem Kopf ausgestattet – wir sind Sinneswesen. Ich möchte tief ins Leben eintauchen, das „Mark des Lebens aufsaugen“ und intensiv und mit allen Sinnen genießen, dann entfaltet sich die Schönheit jedes Wesens. In seiner Vielfalt – mit aller Freude und aller Traurigkeit, mit aller Vitalität und allem Schmerz. Mit allem, was ist. Mir war der Leitsatz: „Ich fühle also bin ich“ schon immer mindestens genauso wichtig ein „Ich denke, also bin ich.“. Sinnlichkeit ist für mich nicht nur Erotik, sondern sich seines breiten sinnlichen Wahrnehmungsspektrums, bewusst zu sein und es in seiner Vielfalt auszukosten. Sinnlichkeit drückt sich in vielen Künsten aus, meine eigene Hauptausdrucksform ist dabei die Poesie.

Was ich dafür tue?
Ich genieße es mit allen Sinnen wahrzunehmen. Ich vollziehe eine regelmäßige Schreibpraxis. Ich tauche genau bewusst in vielfältige Sinneserlebnisse ein.

dankbar

„Eine Kriegerin des Lichts vergisst niemals dankbar zu sein. … Daher kniet sie bei Sonnenuntergang nieder und dankt dem schützenden Mantel, der sie umgibt.“

Ich bin zutiefst dankbar dafür, dass ich am Leben bin, dass ich gesund bin, dass ich voller Talente bin, dass ich eine Familie habe, die mich trägt und stützt, dass ich eine Arbeit habe, die ich als sinnstiftend wahrnehme. Ich bin dankbar über das Glück, von solcher Fülle umgeben zu sein. Es gibt so viele Gründe, dankbar dafür zu sein, dass ich mein Leben so leben darf, dass ich den Luxus genießen darf, daran zu arbeiten, mein volles Potenzial zu entfalten. Weil ich in einer solch privilegierten Umgebung leben darf, ist diese Dankbarkeit für mich auch mit einer gewissen Verantwortung und Demut verbunden: Ich möchte dazu beitragen, dass viele weiteren Menschen Ähnliches genießen dürfen.

Ich strebe danach, ALLES als ein Geschenk zu betrachten
– auch wenn es auf den ersten Blick keines sein mag.
Ich nehme alles dankbar an, denn es wird sich als Geschenk erweisen,
wenn ich mich auf es einlasse.

Was tue ich dafür?
Ich danke am Ende jedes Tages bewusst für alle Erlebnisse und Geschenke, die ich während dieses Tages erfahren habe. Ich gebe regelmäßig ein Zehntel meines Einkommens ab, um meine Dankbarkeit zu zeigen und andere Menschen in die Fülle zu bringen.

humorvoll & verspielt

„Eine Kriegerin des Lichts tut immer Außergewöhnliches. Sie tanzt beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße. Oder blickt einem Unbekannten in die Augen und spricht sofort von Liebe. Sie verficht eine Idee, die lächerlich wirken mag. Die Kriegerin des Lichts erlaubt sich derlei Dinge.“

Ich darf mich immer wieder daran erinnern, dass im Leben nicht nur alles Ernst ist, sondern dass wir auf der Welt sind, um uns zu erfreuen, um zu Staunen, um das Spiel des Lebens zu genießen. Oft betrachte ich den All-Tag zu verbissen und verliere die Leichtigkeit. So ist für mich eine Prise Humor und Spielfreude ein wichtiges Lernfeld, das ich regelmäßig integrieren mag.

Was ich dafür tue?
Ich hole mir regelmäßig verrückende Impulse. Ich gestehe mir zu, ab und zu neben der Spur zu sein. Ich spiele bewusst.

ganzheitlich

„Intuition ist dem Krieger des Lichts sehr wichtig. Der Krieger weiß, dass die Intuition das Alphabet Gottes ist, und horcht weiter auf den Wind und redet mit den Sternen.“

Ich bin danach bestrebt, alles in seiner Ganzheit anzusehen und wahrzunehmen. Daher schaue ich ganz genau hin und nehme dabei unterschiedliche Perspektiven ein.

verbunden

„Die Kriegerin weiß, dass kein Mensch eine Insel ist. Sie kann nicht allein kämpfen. Wie auch immer ihr Plan aussieht, sie wird andere Menschen brauchen. Sie braucht jemanden, den sie um Hilfe bitten, mit dem sie ihre Strategie besprechen und dem sie in ruhigen Augenblicken am Lagerfeuer Geschichten über den Kampf erzählen kann.“

Alles ist mit allem verbunden. Ich weiß darum. Wenn ich jemand Anderem schade, schade ich auch mir selbst. Meine Familie ist mein wichtigster Verbund, meine Kraftquelle, sie pflege ich täglich. Um die weitere Verbundenheit wahrzunehmen, begebe ich mich aktiv in Gruppenprozesse wie auch in eine regelmäßige Innenschau. Denn wenn ich selbst mit mir verbunden bin, bin ich auch mit der Welt um mich herum verbunden.

exzellent

„Jede Kriegerin des Lichts versucht stets, sich zu vervollkommnen. Jeder Hieb ihres Schwerts trägt jahrhundertealte Weisheit und Meditation in sich… Die Kriegerin perfektioniert die Schönheit ihrer Hiebe.“

Um meinen Beitrag auf diesem Planeten zu leisten, strebe ich nach dem Besten, nach Exzellenz in den Bereichen, in denen ich über besondere Fähigkeiten verfüge. Auf sie fokussiere ich mich, damit ich sie weiter vervollkommne. Meine besonderen Fähigkeiten sind es, mich schreibend auszudrücken, Kommunikationskonzepte zu entwickeln und damit wertvolle Konzepte sichtbar zu machen, zu präsentieren, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen und zu moderieren. Um in diesen Bereichen exzellent zu sein, fokussiere mich auf sie. Lieber mache ich weniger, als mich zu verzetteln.

Was tue ich dafür?
Ich praktiziere diese Themenfelder intensiv und bilde mich regelmäßig in ihnen weiter. Ich orientiere mich an den Besten in diesen Themenfeldern.

achtsam

„Die Kriegerin des Lichts meditiert. Sie setzt sich an einen ruhigen Platz in ihrem Zelt und überlässt sich dem göttlichen Licht… Während sie meditiert, ist die Kriegerin nicht mehr sie selbst, sondern ein Funken der Weltenseele. … Eine Kriegerin des Licht weiß, dass in der Stille ihres Herzens eine Ordnung liegt, die ihr den Weg weist.“

Ich habe Achtsamkeit und Meditation als wesentliche Kraftquellen identifiziert, denn eine regelmäßige Praxis darin lässt mich fokussierter, zentrierter und klarer agieren und aus mir heraus handeln anstatt abgelenkt und diffus. Verbundenheit mit mir selbst zu sein, bedeutet Verbundenheit mit der Welt zu sein. Achtsamkeit zahlt auf die anderen Werte ein, die mir in meinem Leben wichtig sind. Achtsamkeit ermöglicht mit ein insgesamt ein Leben in Balance zu führen, nachdem ich strebe.

Was tue ich dafür?
Ich kultiviere eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis mit Stille am Morgen, einem täglichen Spaziergang und einem Dankbarkeitsritual am Abend.

wertschätzend

„Eine Kriegerin des Lichts teilt ihre Welt mit den Menschen, die sie liebt. Wenn sie mutlos sind, wird sie versuchen, sie darin zu bestärken, ihren Träumen zu folgen.“
„Eine Kriegerin des Lichts braucht Liebe. Zuneigung und Zärtlichkeit gehören zu ihrer Natur wie Essen, Trinken und die Lust am guten Kampf.“

Wertschätzend und liebevoll unterwegs zu sein, liebesfähig zu sein, Liebe zu schenken und zu empfangen ist eine meiner wesentlichen Kraftquellen, die mich lebendig macht. Ich berühre gerne und lasse mich gerne berühren. Wenn das passiert, weiß ich, dass ich wirklich da bin. Wertschätzend unterwegs zu sein, bedeutet für mich auch, gerne zu geben, zu honorieren, zu gönnen, freigiebig zu sein. Genauso weiß ich auch um meinen Wert und erfahre gerne eine angemessene Honorierung. Zum Thema Wertschätzung gehört für mich auch Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Pünktlichkeit. Dies sind für mich keine lästigen Sekundärtugenden sondern zollen von Achtsamkeit und Respekt gegenüber meinen Mitmenschen.

Was ich dafür tue?
In Begegnungen mit anderen Menschen und mir bin ich wirklich da und präsent.

wahrhaftig

„Eine Kriegerin des Lichts fällt Entscheidungen. Ihre Seele ist frei wie die Wolken am Himmel, aber sie ist ihrem Traum verpflichtet. Auf ihrem frei gewählten Weg muss sie zu Unzeiten aufwachen, die ihr nicht gefallen, mit Menschen reden, die sie nicht weiterbringen und auf einiges verzichten… Ihre Freunde meinen: „Du opferst Dich umsonst auf. Du bist nicht frei.“ Die Kriegerin ist frei. Aber sie weiß, dass ein offener Ofen kein Brot bäckt.“

Ich bin integer und aufrecht zu mir selbst und stehe zu meiner eigenen Wahrheit, die ich für mich gefunden habe, respektiere dabei aber auch andere Wahrheiten. Ich stehe für mich selbst ein. Wenn ich einsehe, dass ich mich irre, korrigiere ich meinen Kurs, verharre dabei aber nicht allzu lange mit Wunden lecken, sondern gestehe mir ein, dass Fehler zu einem aufrechten Kurs gehören. Ich stehe zu all dem, was und wie ich bin: zu meinen Stärken wie auch zu meinen Schwächen, zu meinem Licht wie auch meinen Schatten. Ich liebe mich.

Was ich dafür tue?
Ich lerne mich immer besser kennen. Ich praktiziere regelmäßig Schattenarbeit, um immer vollkommener zu werden.

ausgewogen

„Weil sie weiß, dass die Zeit für sie arbeitet, hat es die Kriegerin des Lichts nie eilig. … Sie weiß, dass sie an einem entscheidenden Augenblick in der Geschichte der Menschheit teilhat und sich selbst ändern muss, bevor sie die Welt verändern kann. Daher erinnert sie sich an die Worte von Lanza del Vasto:
„Eine Revolution braucht Zeit, um Fuß zu fassen.“
Ein Krieger pflückt eine Frucht erst, wenn sie reif ist.“

Ich übe mich in Geduld. Ich pflege ein ausbalanciertes Leben, das ausreichend Zeit bereit hält für Ruhephasen, Phasen des Lernens und Studierens, Phasen des Meditierens und Körpertrainings, Zeit für gesunde Ernährung, Zeit für Austausch mit anderen Menschen wie auch Phasen für eine sinnstiftende Arbeit. All diese Lebensbereiche wollen Beachtung finden, damit ich einen möglichst langen Atem habe. Ausgewogen zu sein, bedeutet auch gut für mich selbst zu sorgen, weil ich damit das Gesamtsystem in Balance bringe.    

Was ich dafür tue?

  1. Ich sorge gut für mich und diszipliniere mich zu einer integralen Lebenspraxis.
  2. Ich gönne mir ausreichende Auszeiten mit einem freien Tag in der Woche.
  3. Ich gönne mir jeden Tagen einige kurze Auszeiten mit morgendlicher Stille, einem Spaziergang und abendlicher Dankbarkeit.
  4. Ich räume mir nahezu täglich mindestens eine Stunde zum Schreiben ein.
  5. Ich kultiviere einen nachhaltigen Lebensstil.

magisch

„Eine Kriegerin des Lichts glaubt. Weil sie an Wunder glaubt, geschehen auch Wunder. Weil sie sich sicher ist, dass ihre Gedanken ihr Leben verändern können, verändert sich ihr Leben. Weil sie sich sicher ist, dass ihr die Liebe begegnet. Begegnet ihr diese Liebe auch.“

Vom Zeugungsakt bis zum letzten Atemhauch: Dieses Leben ist wundervoll, voller Mysterien und Synchronizitäten. Ich tue mein Bestes und glaube, und so beschenkt mich das Universum mit einem Wunder ums andere. Ich bleibe neugierig und staune.

Was ich dafür tue?
Ich trainiere mich regelmäßig darin, einen positiven Anfängergeist zu bewahren. Ich schaue mir genauestens selbst die profanen Dinge an und nehme die Wunder dieses Lebens wahr.

 

Meine Werte sind eingebettet in einen größeren Kontext

Meine Vision ist es, gemeinsam mit anderen einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Daher bin ich Teil verschiedener Bewegungen, die dies ebenfalls als Vision in sich tragen, und so fühle ich mich diesen ethischen Manifesten ebenfalls verbunden und trage mit meinem Verhalten dazu bei, diese Werte zu leben.

Folgende Visionswerke und Ethiken anerkenne und beherzige ich:

  • Paulo Coelho „Handbuch des Kriegers des Lichts“
  • Dalai Lama „Der Appell des Dalai Lama an die Welt: Ethik ist wichtiger als Religion“
  • Papst Franziskus: „Laudato si: Die Umweltenzyklika des Papstes“

 

Eines meiner großen Schattenthemen: Bedeutsam in seinen Schattierungen und ein großes Scheitern

schatten-licht

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Part 8

Zur Zeit beschäftigen wir uns in der integralen Menschenlehrer-Ausbildung mit Veit Lindau mit dem Thema Schattenarbeit.1)Was das ist, kannst im verlinkten Artikel aus der Zeitschrift SEIN nachlesen. Ich werde das Thema in Kürze mit meinen eigenen Worten erläutern. In diesem Artikel mag ich einmal meine eigenen Schatten benennen, denen ich mir teils schon länger, teils aber auch erst seit kurzem bewusst bin. Ich danke für meine Schattenthemen, werde mich ihnen widmen und freue mich, dass sie sich dank Schattenarbeit und meinen weiteren Bestrebungen sicher auflösen werden. Meine Kernschatten-Themen sind:

  • Meine Selbstliebe
  • Bedeutsamkeit
  • Reichtum
  • Mein Körper
  • Meine Weiblichkeit und mein Mutter-Sein:
  • Äußere Ordnung

Diese Schattenthemen werden natürlich auch gerade aktuell durch einige Menschen getriggert, zu denen ich Spannungen spüre. Die will ich hier aber aus Respekt vor deren Privatsphäre nicht benennen. Ich werde sie aber direkt ansprechen und das „aufdecken“. Also let´s go – beschreibe ich mal eines meiner Schattenthemen en detail – die Bedeutsamkeit. Die anderen beschreibe ich sukzessive später:

Bedeutsamkeit oder „Um gut zu sein, muss ich jetzt aber noch…“
Ich war mir schon länger bewusst, dass ich ein Thema damit habe – und zwar tatsächlich in ganz unterschiedlichen Dimensionen. Einerseits sehne ich mich nach Bedeutsamkeit und andererseits habe ich mich oft genug unsichtbar gemacht, könnte schon längst bedeutsamer sein.

Zwei X-Chromosomen zum Trotz?!?
Bedeutsamkeit. Prof. Dr. Gerald Hüther sprach Anfang März bei einer Veranstaltung (ein Tag mit uns Menschenlehrer*innen und den Teamleader*innen im Human Trust in Hamburg) über dieses Thema. Seine These: Männer müssten bedeutsam sein, weil sie nur ein X-Chromosom besäßen und damit die „Fehlschreibungen“ dieses Chromosoms nicht durch ein zweites X-Chromosom aufheben könnten. Das mag richtig sein. Und schon ohne, dass Gerald Hüther das ausgesprochen hatte, wusste ich, was das mit mir zu tun hat: Ich bin eine Frau, aber ich strebe dennoch nach Bedeutsamkeit – obwohl ich ja ein zweites X-Chromosom zum Ausgleich habe. Das ist zum Teil auch in einer Wunde meiner Kindheit begründet, zum Teil ist es aber – zumindest meinem Empfinden nach ein natürliches Streben danach, sichtbar zu sein. Denn wenn wir nur uns selbst genügen, was entwickelt sich dann weiter…?!?

Ich finde, es ist das Recht jedes Menschen, bedeutsam zu sein.
Und wenn sich viel mehr Menschen von uns wichtiger nähmen,
dann wäre diese Welt heller, strahlender.

Hallo, ich bin da. Sieht mich einer?
Mein eigenes Bedeutsamkeits-Thema hat schon einen großen Schatten: Meine Eltern mussten heiraten – wegen mir. Das bekam ich spätestens jeden Geburtstag parallel zu meinen Geschenken „überreicht“.2)Wobei ich auch dazu schreiben mag, dass meine Eltern so wie sie es konnten, sehr liebevoll und fürsorglich mit mir waren, so weit sie es ob ihrer eigenen Schattenthemen konnten. Diese Geschichte würde aber zu weit führen. Kurzum: Ich liebe meine Eltern und alles, was sie für mich getan hat, und ich bin dankbar für meine so freie Kindheit. Es hat geschmerzt. So habe ich viel Zeit meiner Kindheit viel dafür getan, gesehen zu werden (denn das musste ich, weil meine kleinere Schwester sehr krank war und der Großteil der Aufmerksamkeit ihr zufloss): Ich war immer eine der besten Schülerinnen, es gab nie Probleme, ich habe immer gut funktioniert. Offenbar sogar schon als Baby. O-Ton meine Mutter: „Du warst so ein braves Baby, Du hast nie geschrien.“ Nachtigall…

Studium mit links
So setzte sich mein Streben nach dieser Bedeutsamkeit, kombiniert mit einem gewissen anpassenden Funktionieren, fort: die Ausbildung musste ich durchziehen (wollte mein Vater so), ich habe so auch gut geschafft, im Studium war ich eine der Besten, obwohl ich dort gewissermaßen „ausgebrochen“ bin und mich leidenschaftlich für eine Studenteninitiative engagiert habe. Das Studium flutschte wie nebenbei. Außerdem habe ich während meines Studiums insgesamt fünf Praktika absolviert (es gab nur ein Pflichtpraktikum), gejobbt und es trotzdem in zehn Semestern gepackt. Natürlich hat mir das Freude bereitet (ich hatte tolle Praktikumsplätze), gewissermaßen hatte das aber auch damit zutun, dass ich auf Nummer sicher gehen wollte, wirklich „Karriere“ zu machen (was auch immer das heißt: in meiner Vorstellung war das damals ein Managerposten in einem Konzern mein Möglichkeits-Horizont reichte nicht weiter).

Rock´n´Roll im Haifischbecken
In meiner Konzern-Zeit kam das Bedeutsamkeitsthema auch in verschiedenen Facetten auf. Hier musste ich noch mehr um meine Bedeutsamkeit kämpfen. Ich war in einem Bereich  gelandet, in den Viele gern wollten: Im Kultursponsoring, in der Kommunikationsabteilung. Du „musstest“ Dich produzieren. Und so einige Male wurde mir die Butter vom Brot genommen. Etwa als ich eine tolle Veranstaltung, ein Rockkonzert mit Aftershow-Party im Rahmen der Frankfurter Musikmesse organisiert hatte: Bei der Teambesprechung in der Folgewoche stand es an zu berichten, welche Projekt gelaufen waren. Noch bevor ich erzählen konnte, schnappte sich mein damaliger Kollege Kai die Story, heftete sich selbst den Orden ans Revers und plauderte ausschweifend, wie begeistert doch alle Besucher*innen gewesen seien.3)So etwas ist mir übrigens nicht nur einmal passiert. Mich wurmten auch kleine Details: Die Pressemitteilungen und viele Berichte waren von mir geschrieben, doch mein Name war nirgends sichtbar. Autsch!

Die im Dunkeln sieht man nicht oder: Awardverleihung namenlos
Dass das mir bewusst war, war ja schonmal ein Fortschritt. Mir ist es in meinem jüngeren Jahren sogar passiert, dass ich Material von mir habe verwenden lasse, ohne dabei sichtbar zu sein. Für meine Magisterarbeit hatte ich auch auf  Frankfurter Musikmesse und auf der POP.KOMM. eine Befragung durchführen lassen. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Die Sponsoring-Agentur, mit der wir damals zusammen arbeiteten (damals die renommierteste Agentur Deutschlands), fragte an, ob sie die Ergebnisse verwenden könnten. Ich bejahte. Sie tauchten groß aufgemacht in einer High-End-Publikation auf – mit der Quellenangabe der Agentur. Ich war nicht vorhanden – und was noch viel schlimmer ist: Es war mir damals darüber gar nicht bewusst. Erst zehn Jahren später, als ich mich daran erinnerte, wurde mir klar, das Material von mir benutzt worden war, und ich nicht darauf bestanden hatte, dass auch ich dabei sichtbar bin. Übrigens wurden „mein“ Konzern und die Sponsoringagentur kurz darauf mit einem bundesweiten „Award“ ausgezeichnet, und ich bin mir sicher, dass meine Forschungen gut dazu beigetragen haben. Immerhin war ich zur Feier eingeladen.

Diese Rüstung passte nicht mehr…
Auch später in meiner Freiberuflichkeit „kämpfte“ ich um diese Sichtbarkeit. Schließlich funktioniert unser Markt ja so, sein Feld zu markieren, Duftmarken zu setzen, unverkennbar zu sein. Die Marketing- und Public Relations-Gesetz kannte und kenne ich gut, ich habe sie studiert und praktiziert. Doch es war immer diese Verkrampfung und der Kampf dabei4)Ich hatte außerdem das Gefühl, als Frau doppelt so viel kämpfen zu müssen, aber das ist nochmal eine weitere Facette.  Ich hatte irgendwann keine Lust mehr darauf zu kämpfen, keine Lust mehr auf diese Rüstung, die nicht zu mir passte. Ich wollte einfach als ich strahlen mit dem, was ich richtig gut kann: tausendundeine Idee haben, Konzepte daraus stricken, mich in Worten ausdrücken, mit Worten verzaubern, mich und andere begeistern, mit allen Sinnen sein, genießend, gebend, liebend. Ich wollte auch richtig weiblich sein. Doch das schien nicht zu gehen. So blieb ich im Business weiter unentspannt, im Kampf-Modus.

Genossen wie wir oder: Musketier-Prinzip mit Ellenbogen
Das trieb dann manchmal seltsame Früchte. ich eckte an, provozierte. Das ging bis hinein in ein großes Scheitern (das gleichzeitig eine große Chance war): In den Jahren 2010-2012 habe ich gemeinsam mit ungefähr 15 weiteren kreativen Freiberufler*innen eine Genossenschaft aufgebaut, DIE.Kommunikationsgenossen eG.5)Das Unternehmen gibt es mittlerweile nicht mehr – und das hat wohl auch seine Gründe. Ich war die Initiatorin und Vorstandsvorsitzende. Wir hatten die Gründung und den Aufbau so richtig gut vorbereitet: mit einer Geschäftsordnung, Arbeitsgruppen (die wir Sokos nannten), einem Leitbild, sogar einem internen Mediator*innen-Trio (ob das am Ende so glücklich war, sei dahin gestellt). Wir waren nominiert für einen Gründerpreis, wir haben Gelder von der Wirtschaftsförderung erhalten. Es schien alles supercool. Wir hatten sogar ein „Genossenschwein“ zu unserem Maskottchen gemacht – Genosse Francois (ein rotbuntes Husumer Protestschwein…) Ich habe mich so richtig reingehängt, alles gegeben. Doch dann eines Tages, ungefähr ein Jahr nach der Gründung, bekam ich einen Anruf von einer Mediatorin, die mir sinngemäß sagte:

„Steffi, es hat Beschwerden über Dich gegeben.
Du weißt ja, wie Du bist.
Du musst Dich ändern. Wenn nicht, gibt´s Ärger.“

Ich wünschte mir, das im direkten Gespräch zu klären, denn mit derartigen Aussagen konnte ich wenig anfangen. Außerdem bezog ich mich auf unser Leitbild, in dem wir uns darauf geeinigt hatten, dass wir miteinander offen kommunizieren. Doch die Person(en) (ich weiß bis heute nicht, exakt, wer das war und wie viele) wollten  sich nicht zeigen. Also informierte ich meinerseits die komplette Genossenschaft, beschrieb den Vorfall, bat die Person(en), sich zu zeigen, damit wir das in einem Gespräch klären können und signalisiete Änderungsbereitschaft. Gesondert informierte ich meine Vorstandskollegen sowie den Aufsichtsrat über dieses Ereignis und teilte ihnen mit, dass ich sie auf dem Laufenden halten würde. Die einzige Reaktion ,die daraufhin kam, war die einer Vorstandskollegin. Sie antwortete: „Steffi, das ist ja der Hammer. Unglaublich! Das muss ich erstmal sacken lassen.“ Schließlich kam es zu einer außerordentlichen Generalversammlung exakt zu diesem Thema, dass mich Menschen angezeigt hätten, und es Unmut gegen mich gäbe. Die Struktur war so vorgesehen, dass zunächst ich spreche und danach „die andere Seite“.

Ich selbst schilderte den Vorgang wie beschrieben und verwies auch auf unser Leitbild. Dann kam „die andere Seite“. Es war meine damalige Vorstandskollegin, die in einer Mail so bestürzt reagiert hatte. Das wusste ich schon zuvor, denn sie hatte es sich schon einige Zeit zuvor „offenbart“ und es hatte zwei Klärungsversuche gegeben. Der eine endet mit: „Steffi, Du änderst Dich sowieso nicht.“ Eine gute Aussage, da ist also noch Luft nach oben? 😉 Was meine Kollegin aber in der Generalversammlung vom Stapel ließ, machte mich einigermaßen sprachlos. Grundaussage, ich sei zu eigenmächtig und dominant und würde damit der Genossenschaft SCHADEN. Hierfür brachte sie zwei Ereignisse vor:

  1. Ein Unternehmen musste zum Jahresende aufgrund von Liquiditätsproblemen aus der Genossenschaft aussteigen. Die Kündigungsfrist von drei Monaten zum Jahresende war aber bereits verstrichen. Für mich war es selbstverständlich, dass dieses Unternehmen seine Kündigung rückdatiert, damit es nicht in Bredouille gerät. Vielleicht habe ich meine Überlegung zu forsch vorgebracht. Zumindest fühlte sich wohl meine Kollegin von mir unter Druck gesetzt. (In den beiden versuchten Aussprachen zuvor war nie Thema gewesen). Indem ich es zugelassen habe, die Kündigung vordatiert habe, hätte ich der Genossenschaft geschadet. 
  2. Wir hatten einen Auftrag, der an ein Mitgliedsunternehmen vergeben werden sollte. Dieses Mitgliedsunternehmen hatte ehrenamtlich viel für den Aufbau der Genossenschaft getan, verfügte aber (noch) nicht über die erforderliche Betriebshaftfplichtversicherung, die wir jedem Unternehmen als Bedingung einer Mitgliedschaft (resp. eines für die Genossenschaft tätig zu werden) auferlegt hatten. Das Unternehmen hätte diese aber bei Beauftragung finanzieren können. Indem ich für das Unternehmen ohne Betriebshaftpflichtversichung als Auftragnehmer votiert hätte, hätte ich der Genossenschaft geschadet. 

Letztendlich sind das also alles Gründe, die man konstruktiv hätte klären können. Ich bin mir aber sicher, dass eigentlich noch andere,tiefere Gründe hinter diese „Anzeige“ steckten. Ich hatte übrigens keine Gelegenheit, zu den angeführten Gründen angemessen Stellung zu nehmen und meine Meinung dazu kund zu tun (den ich hatte dazu natürlich eine). Letztlich kam es zu Neuwahlen. Ich trat wieder an, sie auch. Wir wurden beide wiedergewählt. Einen Tag später trat sie wieder zurück, mit der Begründung, sie könne mit mir nicht zusammen arbeiten. So waren wiederum Neuwahlen notwendig. Davor hatte ich einen Vier-Augen-Termin mit der Mediatorin (die gleiche, die mich damals angerufen hatte, um mir mitzuteilen, dass es Beschwerden über mich gegeben habe), die mir mitteilte, ich solle nicht wieder zur Wahl antreten, es gäbe sonst massenhaft Austritte.

Die Generalversammlung stand an – und ich ging mit einer geklärten Haltung in sie hinein. Ich hatte mit niemanden aus der Genossenschaft zuvor darüber gesprochen. Ich erklärte meinen sofortigen Austritt aus der Genossenschaft, mit der Begründung, in dieser Art und Weise wolle ich nicht arbeiten und miteinander kommunizieren. Das Kapitel DIE.Kommunikationsgenossen eG war beendet, ein fast dreijähriges unternehmerisches Abenteuer war vorbei.

Zerbrechlich aber nicht gebrochen
Das liest sich für Dich vielleicht alles so nüchtern. Das war es aber nicht. Auf den Aufbau und Ausbau der Genossenschaft hatte ich meine gesamte berufliche Existenz gesetzt, es war mein unternehmerisches Baby, das ich mit anderen geteilt hatte und für das ich alles gegeben hatte, sogar andere Aufträge abgesagt. Ich stand beruflich vor dem Nichts. Und auch mein Vertrauen in (berufliche) Beziehungen hatte ordentliche Kratzer bekommen, allein einige wenige Genossen standen damals hinter mir. Und mein Mann. Er hat mich so gehalten, so getragen, so bedingungslos geliebt. Hätte ich ihn damals nicht gehabt, ich wäre komplett zusammen gebrochen. Bis heute habe ich nicht ganz verstanden und aufklären können, was damals wirklich passiert ist. Ich sehe meinen Anteil daran, ich sehe mein „Ringen um Bedeutsamkeit“, gleichzeitig war ich niemals für mich allein bedeutsam, sondern ich war und bin es immer für eine Sache, für eine Gruppe und bemühe mich immer, die Gruppe als Ganzes zum Fliegen zu bringen. In manchen Monaten in den Jahren danach ist mir das schon gelungen….

Ganz habe ich dieses Erlebnis also noch nicht verarbeitet und dennoch habe ich daraus gelernt.

Ich bin daran nicht zerbrochen, aber seitdem viel zerbrechlicher und zarter.

In den letzten Jahren habe ich Erfahrungen gemacht, die es mir wieder ermöglicht haben, Zutrauen zu fassen. Ich  habe einen Neuanfang gewagt, einen Wunsch ausgesprochen und der lautete: „Lass mich Teil einer wertschätzenden, nachhaltigen Unternehmerbewegung sein!“ So bin ich auf die Gemeinwohl-Ökonomie gestoßen oder sie hat mich gefunden oder ich habe mich von ihr finden lassen. Mein Weg geht weiter. Und ich werde wieder mutiger.

Wir könnten so viel bedeuten…
Doch meine Bedeutsamkeitsgeschichte ist hier an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Ich sehne mich noch immer nach mehr Bedeutsamkeit und noch immer kann nicht „normal und würdevoll“ bedeutsam sein. Noch immer ist da ein K(r)ampf in mir. Ich sehne mich danach, ein bedeutsame Autorin zu sein. Meine Vision ist es, mit meinen Gaben und Talenten einen Beitrag zum gesellschaftlichen Wandel zu leisten. Und es ist weit mehr als eine Sehnsucht, ich spüre in mir, dass ich wirklich etwas zu sagen,  etwas zu geben habe. Dieses tiefe Wissen ist allerdings auch gepaart mit Angst. Wenn meine innerere Kritikerin mich tadelt: „Was glaubst Du denn, wer Du bist? Bist Du besser als die anderen? Woher nimmst Du Dir dieses Recht?“, werde ich zaghafter. Doch eine andere Stimme in mir ruft mir zu:

„Steffi, geh dafür, schreib dafür.
Du erzählst Deine Geschichte, gibst das weiter,
was Du erfahren hast und fühlst,
stellst die Fragen, die Du hast, bringst die Ideen ein, die Dir kommen,
teilst Deine Ängste und Zweifel, Deine Hoffnungsschimer.
Sei einfach ganz da,wie Du bist – mit all Deinem Licht und Deinem Schatten.
Mit all Deinen Farben, mit Deinen Träumen, Deinen Sehnsüchten,
Deinen tiefsten Ängsten, Deinen Leidenschaften, Deiner Sinnlichkeit.
Sei voll und ganz da: Du!
Dann bist Du schon bedeutsam.
Ganz aus Dir heraus. Und mit allem verbunden.“

 

PS: Ich glaube, dass dieses Thema „Schatten und Licht meiner Bedeutsamkeit“ sich in den meisten meiner weiteren Themen wiederspiegelt. So ist vermutlich gut, dass ich es gewählt habe.

PPS: Und im übrigen glaube ich, dass nicht nur ich sondern noch viel mehr Menschen mit der Bedeutsamkeit oder auch Macht ein echtes Thema haben. Nicht ohne Grund haben wir die Konstellation, dass es nur wenige Initiator*innen und Macher*innen gibt und die große Mehrheit beim Zuschauen bleibt. So werden wir „erzogen“. Doch tief in vielen von uns schlummert die Sehnsucht bedeutsam sein zu wollen. Wir finden jedoch oft keine Ausdrucksform und „Bühne“ dafür. Also lassen wir es bleiben und schlafen ein. Deshalb stimme ich Prof. Dr. Gerald Hüther nicht komplett zu. Das Schattenthema „Bedeutsamkeit“ löst sich nicht automatisch, indem wir einem Menschen ein zweites X-Chromosom einpflanzen. Einen guten Umgang mit Macht zu finden, auf dass sich viel mehr Menschen selbst ermächtigen, wird einer der Lösungswege sein, mit denen wir die gegenwärtigen Herausforderungen unseres Planeten werden lösen können.  

References   [ + ]

1. Was das ist, kannst im verlinkten Artikel aus der Zeitschrift SEIN nachlesen. Ich werde das Thema in Kürze mit meinen eigenen Worten erläutern.
2. Wobei ich auch dazu schreiben mag, dass meine Eltern so wie sie es konnten, sehr liebevoll und fürsorglich mit mir waren, so weit sie es ob ihrer eigenen Schattenthemen konnten. Diese Geschichte würde aber zu weit führen. Kurzum: Ich liebe meine Eltern und alles, was sie für mich getan hat, und ich bin dankbar für meine so freie Kindheit.
3. So etwas ist mir übrigens nicht nur einmal passiert.
4. Ich hatte außerdem das Gefühl, als Frau doppelt so viel kämpfen zu müssen, aber das ist nochmal eine weitere Facette.
5. Das Unternehmen gibt es mittlerweile nicht mehr – und das hat wohl auch seine Gründe.

Heute ist Holi: Wusstest Du um den tieferen Sinn?

jugendbewegung3

Wusstest Ihr das? Heute wird das hinduistische Fest Holi gefeiert.

Vor ein paar Jahren bin ich das erste Mal auf das Holi-Festival aufmerksam geworden: In Hannover (oder bei Hannover?) wurde erstmals ein Holi Farbrausch Festival veranstaltet. Ganz nett habe ich mir gedacht, nur doch irgendwie total sinnlos. Erst jetzt bin ich darauf gestoßen, dass das Fest, ursprünglich aus Indien kommend, doch einen tieferen Sinn hat, lassen wir wikipedia sprechen:

„Holi (Hindi, f., होली, holī) ist ein aus der hinduistischen Überlieferung stammendes indisches Frühlingsfest am ersten Vollmondtag des Monats Phalgun (Februar/März). Dieses „Fest der Farben“ dauert mindestens zwei, in einigen Gegenden Indiens auch bis zu zehn Tage.

Holi ist eines der ältesten Feste Indiens.[2] Fünf Tage nach Vollmond ist Rangapanchami (Ranga = Farbe; Pancami = der 5. lunare Tag), der zweite Tag des Festes. An diesem Tag scheinen alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichen Status aufgehoben. Es wird ausgelassen gefeiert und man besprengt und bestreut sich gegenseitig mit gefärbtem Wasser und gefärbtem Puder, dem Gulal. Wer den Übermut ablehnt, bestreicht sich gegenseitig zumindest dezent mit etwas Pulverfarbe. Trotz aller Veränderungen in der modernen indischen Gesellschaft ist die sakrale Bedeutung weiterhin deutlich erkennbar, so werden etwa die Farben noch heute meist vorher auf dem Altar geweiht und die Menschen überbringen Segenswünsche. Ursprünglich entstanden die Farbpulver aus bestimmten Blüten, Wurzeln und Kräutern, die heilend wirken. Heute kommen häufig synthetische Farben zum Einsatz, die teilweise sogar schädlich sein können.

Am ersten Tag entzündet man in der Nacht ein Feuer und verbrennt darin eine Figur aus Stroh, als Symbol für die Dämonin Holika.

Wie alle Feste ist auch Holi in seiner Bedeutung sehr vielschichtig. Im spirituellen Bereich vermittelt es, wie in der dazugehörenden Mythologie erkennbar, die Botschaft vom Triumph des Guten über das Böse. In der Natur dagegen markiert es den Sieg des Frühlings über den Winter, denn das Fest beginnt mit dem Aufblühen der Natur. Ein wichtiger Punkt ist den Menschen auch der Versöhnungsaspekt, denn es heißt, dass man in diesen Tagen auch alte Streitigkeiten begraben soll.“

Na, das ist ja eine tolle Bedeutung, da kann ich mitgehen: Also wünsche ich Euch allen heute:
Happy Holi!

Für neue Sternstunden der Menschheit – Die innere Reise

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Teil 5

sternstunden

„Immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen,
ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit in Erscheinung tritt.
Entsteht aber in der Kunst ein Genius, so überdauert er die Zeiten;
ereignet sich eine solche Weltstunde,
so schafft sie Entscheidung für Jahrzehnte und Jahrhunderte.
Wie in der Spitze eines Blitzableiters die Elektrizität der ganzen Atmosphäre,
ist dann eine unermeßliche Fülle von Geschehnissen zusammengedrängt in die engste Spanne von Zeit.
Was ansonsten gemächlich nacheinander und nebeneinander abläuft,
komprimiert sich in einen einzigen Augenblick, der alles bestimmt und alles entscheidet;
ein einziges Ja, ein einziges Nein, ein Zufrüh oder ein Zuspät
macht diese Stunde unwiderruflich für hundert Geschlechter
und bestimmt das Leben eines Einzelnen, eines Volkes
und sogar den Schicksalslauf der ganzen Menschheit.“

(Stefan Zweig „Sternstunden der Menschheit“)

„Sternstunden der Menschheit“ – so hieß ein Buch, das mich in meiner Kindheit magisch angezogen hat. Es war eines der wenigen Bücher, die meine Eltern besaßen. In Miniaturen hatte der Autor Stefan Zweig berühmte Menschen, die der Menschheit Sternstunden beschert hatten, ganz fesselnd in einigen Schlüsselszenen ihres Daseins porträtiert. Wie habe ich diese Geschichten geliebt. Besonders die Geschichte von der gescheiterten Südpol-Expedition Robert Scotts hatte es mir angetan.1)Damals fiel mir übrigens gar nicht auf, dass Stefan Zweig nur Männer porträtierte.

„Es war ein kleiner Schritt für einen Mann, aber ein großer Schritt für die Menschheit“,
sagte der Astronaut Neil Armstrong, als er am 21. Juli 2017 den Mond betrat. 

Was wünsche ich mir für diese Ausbildung?
Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam ein großartiges Feld schaffen, dass für neue Sternstunden der Menschheit bereit ist und diese Sternstunden mit kreiert. Nichts weniger wünsche ich mir für diese Ausbildung. Und ich will mein Bestes dafür geben, dass das auch wirklich passiert.

Klingt das vermessen?

Ich finde nicht. Wir haben so viele Baustellen. So viele von uns tragen die Sehnsucht in sich, dass diese Gier, dass dieser Egoismus, dass diese Ressourcenverschwendung, dass dieses Hamsterrad, dass dieser Leistungsdruck, dass diese wachsende Ungleichheit und Ungerechtigkeit verschwinden mögen und wir für uns ein gutes Leben finden, in Frieden, in Erfüllung unseres Potenzials, in Balance mit unserer Mitwelt und unserem Planeten. Irgend etwas unerklärliches, irgendeine hohe Barriere scheint uns daran zu hindern, diesen Schalter umzulegen.Vermutlich sind diese Barriere: wir selbst.

Die große Frage ist:
Warum setzen wir nicht alles daran, für unsere Sehnsüchte zu gehen, das einfach zu machen?
Denn wir haben schon längst erkannt: Jammern ist Energieverschwendung.
Statt dessen drehen wir uns weiter in unserem Hamsterrad der Gewohnheit.
Noch.

In diesem Sinne wünsche ich mir neue Sternstunden der Menschheit. Ich wünsche mir Erfindungen und Entdeckungen unseres Potenzials, unseres inneren Reichtums. Jahreshundertelang haben wir neue Länder entdeckt, bedeutsame Erfindungen für die Menschheit im Außen gemacht. Jetzt steht es an, neu auf Reisen zu gehen. Ins Innen zu reisen, die Ressourcen in uns zur Entfaltung zu bringen, damit wir die Ressourcen im Außen nicht mehr verschwenden müssen. Ich wünsche mir, dass wir uns erheben, ohne bedeutsam sein zu müssen. Bedeutsam nicht im Sinne einer egoistischen Bedeutsamkeit, sondern in dem Sinne, dass wir unser Selbst in Verbundenheit zu anderen Selbsts bedeutsam nehmen. Verstehst Du, was ich meine?

Das war jetzt der große weite Wurf, der große Bogen, das weite Feld.
Und was wünsche ich mir für mich selbst in meiner Menschenlehrer-Zeit
in Spiegelung des großen weiten Feldes?

Ich wünsche mir

  • Heilung, ich wünsche mir in Balance zu kommen, so viele Schattenthemen aufzulösen, die mich bewegen.
  • … eine Integrale Lebenspraxis zu etablieren und zu leben, damit in Balance zu kommen.
  • … ganz scBegeisterunghlicht meinen Körper zu versorgen, meinen Tempel mit der Ernährung, der Bewegung, der Berührung und der Selbstliebe, die er verdient, die ich mir wert bin, (ist eigentlich interessant, ich könnte damit ja auch zu „Weight Watchers“ gehen ;-), das habe ich auch tatsächlich schonmal ganz erfolgreich gemacht, aber ich habe das Gefühl, dass ich diese Themen hier besser und tiefer lösen kann, weil ich tiefer zu schürfen habe….)
  • …. meine Reichtums- und Gelddthemen zu lösen, Reichtum zu erkennen und zu generieren
  • … mich bedingungslos und selbstverständlich so zu lieben wie ich bin, mein Bedeutsamkeitsthema zu lösen,
  • … neugierig auf mich zu sein, mich selbst neu kennen zu lernen, über mich zu lachen, mit mir zu weinen, mich so verrückt und paradox und schräg und liebenswert anzunehmen, wie ich gerade bin,
  • … mein volles Potenzial in diese Welt zu bringen, mein Buch-Baby, die Geschichten, die ich zu geben habe, meinen Beitrag, meine Begeisterung, meine Exstase, das möchte ich (er)leben.
  • … zum Werkzeug dieses Lebens zu werden, dass das Leben durch mich hindurchwirkt und ich so im Fluss und am besten bin.

Das Mark des Lebens in mich aufsaugen…
Ich bin bereit.
Danke.

References   [ + ]

1. Damals fiel mir übrigens gar nicht auf, dass Stefan Zweig nur Männer porträtierte.

Von einer, die auszog ihre Werte zu leben – und: was ihre eigene Bestimmung damit zu tun hat

Mein Menschenlehrer-Tagebuch Teil 4

ars:scribendi. Wer war Sie, wer ist Sie? Mein LeseStoff. Unternehmerische Irrfahrten. Ankommen im Welt-Verbessern. Wieder-Erinnern. Wer war Sie, wer ist Sie heute?


Schon vor zehn Jahren elementar:
Standortbestimmung meiner Werte samt einer Suchbewegung für meine Sehnsucht
Wertebewusst zu leben, wertebewusst zu arbeiten, wertschätzend unterwegs zu sein – das ist mir schon lange sehr wichtig gewesen, genauer gesagt eigentlich, seitdem ich mich vor zehn Jahren mit meinem eigenen Unternehmen ars:scribendi selbständig gemacht habe. Für mein Firmenbaby Werte zu defineren, hatte damals elementare Bedeutung für mich. Und das war mir einiges Wert, denn ich habe diese Werte damals nicht nur aufgeschrieben. Ich habe sie mir extra von einem Kalligraphen gestalten lassen.

Meine Werte: Das Herzstück meines LeseStoffs

lesestoff

Meine so gefundenen und gestalteten Werte wurden zum Herzstück des LeseStoffs, einer Publikation, die für mich mein Business verkörpert hat. Mit dem LeseStoff wollte ich mein Kostbarstes sichtbar machen, das zeigen, was ich dieser Welt zu schenken habe: die in jedem Wesen, jedem Ding innewohnende, oft verborgene Schönheit in Form von Geschichten zu Papier zu bringen, sie erlebbar, erfühlbar, sichtbar machen. Mein Credo, mit dem ich startete, lautete damals: „Jedes Ding, jedes Wesen verkörpert Schönheit. Jede, jede, jeder ist ein Geschichtenschatz. Du darfst genauer hinschauen, und dann Du wirst mit einem unschätzbaren Reichtum beschenkt.“  Mit diesem Credo unterwegs porträtierte ich insgesamt zehn Menschen, völlig unterschiedliche Menschen mit ihrem Tun, in ihrem Sein:

  • „Aufblühen und Teetrinken“ – die Gründer des Unternehmens Creani, das einen weißen „Erblühtee“ nach Deutschland importiert
  • „Das Gefühl für den vollendeten Klang“ – den chinesischen Nachwuchs-Pianisten Haiou Zhang, der mittlerweile auf den ganz großen Klassikbühnen zu Hause ist,
  • „Der Parcours zum Erfolg“ – Sabine Wehrhahn, Golf-Mentaltrainerin
  • „Messerscharf kombiniert! Crime meets Comedy“ – das Autorenduo Michael Bresser (mittlerweile mein Ehemann) und Martin Springenberg mit ihren Münsterland Krimis
  • „United they stand – united they help“ – die Basketball-Mannschaft UBC Tigers mit ihrem Charity-Projekt an Hauptschulen
  • „Mit klarem Blick für mehr Gewinn“ – Gründungsberaterin Constanze Wildenhain
  • „Der mit den Wölfen heult“ – Granato Rambocco, Einheizer beim Fußballclub Vfl Wolfsburg
  • „Keine Geschichte, eine Geschichte“ – die Band „Scycs“, die einmal Ende der 90er den einen Hit „Next November“ hatten, und dann scheinbar in der Versenkung verschwanden
  • „Kreuzweise mit CSTx“ – das Unternehmen, das eine der ersten Apps programmiert hat (bevor es diesen Namen gab)
  • „Die Schrift der Sterne“ – die Astrologin Annegret Becker-Baumann

porträts

Jede dieser Geschichten hat mich auf irgendeine Art und Weise gespiegelt, mich transformiert. Und inmitten dieser Geschichten habe ich die Beschreibung meines Unternehmens samt meiner Werte gepackt. So wollte ich mich finden lassen:

„Worte schaffen Welten. Worte sind wichtig, sind die Chiffren, mit denen wir uns selbst benennen. Worte schaffen Welten, bedeuten Werte. Indem wir darauf achten, bestimmte Worte zu verwenden, zeigen wir, wofür wir einstehen und markieren unsere Position. … Die Liebe ist der zentrale Wert von ars:scribendi. Wir schaffen immer für eine Sache – voller Empathie und Freude, optimistisch und ideenreich. „Schönheit rettet die Welt“, weiß Dostojewski. Ganz Recht so. Wir finden, das auch dazu gehört, das Schöne sehen zu können. Schönen Dingen Worten zu verleihen, ein Gesicht zu schenken und ihnen Gehör zu verschaffen – das ist Ziel unserer Arbeit. Unser Blick ist den Dingen zugewandt, die wir schätzen und kommunikativ nach vorne bringen wollen, gemeinsam mit unseren Kunden und Geschäftspartnern. Die Freude am Schaffen und die Wertschätzung unserer Arbeit inspirieren uns!…“

Mit diesen Worten habe ich damals die Essenz meines Wertesystems, den Wert meiner Arbeit und meinen inneren Antrieb beschrieben. Und ich finde auch heute noch, dass das stimmig ist. Wenn ich aber heute, zehn Jahre später, daran denke, an wen ich das adressiert habe, dann wundere ich mich gar nicht mehr, wie sich sich alles SO entwickelt hat…

„Ich habe gerade Deinen Lesestoff durchgeblättert und gelesen. Er ist so kostbar. Ein Schmuckstück. Darf ich ihn wirklich behalten?“,war eines der Feedbacks, das mir der Geschäftsführer eines Unternehmens gegeben hatte. Es kamen in der Tat auch Menschen zielgerichtet auf mich zu, die – durch den LeseStoff inspiriert – auch für ihr Unternehmen eine ähnliche Publikation realisiert haben wollten. In den vergangenen Jahren habe ich so einige wundervolle Projekte realisieren dürfen. Dieser Lesestoff war ihr Startpunkt. Mit jedem Projekt habe ich mich näher zu meiner Bestimmung „hingeschrieben“. Dazu gehörten u.a. folgende Arbeiten:

  • „Mit Vielfalt zum Erfolg“ – Porträts von Gründerinnen mit anderen kulturellen Wurzeln
  • „Bewusst wie: Anders leben. Besser wirtschaften“
  • und zuletzt: „Weltwunder. Wandel statt Wachstum. Die Nachhaltigkeitsziele umsetzen. Bei Dir. Bei uns. Weltweit.“

Doch wenn ich es mir recht überlege, dann waren meiner Auftraggeber entweder selten klassische Unternehmen, sondern Organisation, die für etwas ganz besonders eingestanden haben, für ideelle Werte statt für herkömmliche Produkte. Nicht selten waren das allerdings selbst initiierte Projekte.

Klassische Unternehmen oder Corporate Publishing Agenturen (wie ich das eigentlich intendiert hatte) habe ich damit nur relativ wenige gewinnen können. Ich habe allerdings auch niemals klassische Akquise gemacht bzw. eine Zeitlang eine Frau dafür engagiert. Gefunzt hat das das allerdings auch nicht richtig.

So war ich also unterwegs mit diesen Werten, mit dieser Arbeit, die mir selbst so kostbar und wertvoll war, aber nur wenige wussten, damit etwas anzufangen. Heute nachdem ich da nochmal intensiv nachgespürt habe, glaube ich die Gründe dafür zu kennen, warum ich damit nicht ankommen konnte:

  1. Ich habe versucht, mich als klassische Texterin, als Auftragsschreiberin und -kreateurin zu verkaufen. Im Grunde bin ich das nicht. Denn ich stehe nicht allein für gute Worte und exzellente Konzepte, ich stehe für eine Mission von einer besseren Welt. Diese Mission nehme ich immer mit. Ich bin Autorin und Künstlerin (die noch immer auf der Suche ist nach einem soliden Fundament.)
  2. Ich habe meinen Selbstwert dabei nicht gekannt und deshalb meine Werte verraten. Jetzt habe ich verstanden: Der Selbstwert ist die Basis von allem. Wenn ich mir meines eigenen Werts bewusst bin und für ihn einstehe, gerät nichts mehr ins Wanken. Jetzt weiß ich das. Ich werde das nicht mehr vergessen. Ich bin mir das selbst wert.

So gut kann ich mich an Situationen erinnern, in denen ich auf irgendwelchen Business-Events war und mich so gar nicht wohl gefühlt habe. Jetzt weiß ich, warum. Ich habe mich selbst jahrelang für falsch verkauft.

Bitte versteh mich nicht falsch: Ich will die normale Business-Welt, in die ich ja hinwollte, nicht schlechtreden. Sie ist, wie sie ist. Sie ist aber eben nunmal nicht meins. Und so war meine letzten zehn Jahre eine einzige große Suchbewegung: Ich hatte einfach kein Vorbild für das, wer ich bin. Ich kann die Berufe des PR-Managers und Redakteurs, denn das hatte ich ja gelernt. So war ich PR-Referentin, Freiberuflerin, Unternehmerin, Initatorin und Vorstandsvorsitzende einer Genossenschaft, Anschieberin und Projektwupperin. Und nach dem Scheitern der Genossenschaft bin ich zusammen gebrochen. Jetzt erkenne ich: Ich war mir meiner wirklichen Rolle noch nicht richtig bewusst.

Als ich mich nach meinem Zusammenbruch 2012 im Jahr 2013 wieder aufrappelte, rief folgender Wunsch in mir ganz laut: „Lass mich Teil einer Nachhaltigkeitsbewegung sein, einer Unternehmerbewegung, die für eine bessere Wirtschaftswelt einsteht, in der Menschen wertschätzender unterwegs sind, sich gegenseitig stärken, die Umwelt und unsere Mitwelt achten. Lass mich Teil dieser neuen Menschheit sein.“ So bin ich mit der Gemeinwohl-Ökonomie- und der Transition Town-Bewegung in Berührung gekommen, mit Projekten, die in eine Utopie hineinleben, die die Werte und die Projekte verkörpern, für die mein Herz schlägt.  Heute bin ich voll aktiv für Projekte, hinter denen ich voll und ganz stehen kann. Und ich bin mir meiner Rolle bewusst:

Ich bin eine der Reporterinnen für diese neuen Welt.
Das ist meine Wahrheit.
Meine Aufgabe ist es, mich dafür zu befreien und dafür, für mich einzustehen.

Ein Teil davon wird es sein, mir meine Werte jetzt nochmal genauer anzuschauen. Sie klar zu kriegen und festzuschreiben sind die Basis für meine weiteren Schritte. Noch ist für mich vieles nebulös. und ich weiß auch nicht, ob es glasklar rüberkommt, was ich zum Ausdruck bringen will. Im Grunde ist es auch egal. Mein eigener Prozess ist wertvoll für mich, und ich spüre deutlich, dass ich gerade sehr gewinne, auch wenn sich vieles noch zeigen will.  DANKE SCHÖN!

Selbstliebe