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Das Mark des Lebens

Mein Menschenlehrer -Tagebuch Woche 1/2

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Ich ging in die Wälder … Foto von der fotolia.de / Bearbeitung durch mich.

Dieses Zitat von Thoreau habe ich, wie wohl so viele andere Menschen das erste Mal im Film „Club der Toten Dichter“ gehört. Mit diesem Text leitete der „Club der Toten Dichter“ stets seine Sitzungen ein. So wie der ganze Film hat mich dieses Zitat damals tief berührt.

Und  Ja: genau darum geht es für mich in dieser Menschenlehrer-Ausbildung: das Mark des Lebens in mich aufsaugen, intensiv leben, echt leben, meine Essenz und Wesentlichkeit leben. Ich will tief leben, ich will mich rausfinden, mich verschenken, mich in dem Potenzial (er-)leben, auf dass ich mein Bestes in und für diese Welt geben kann. Meine Sehnsucht und meine Hoffnung ist, dass ich es wirklich schaffen kann, ein integrales, gutes Leben zu leben, und meine Sehnsucht und Hoffnung ist es zugleich auch, dass ich weitere Menschen dazu inspirieren kann.  Ich will nicht der Neil Perry im „Club der Toten Dichter“ sein, der verzweifelt und hoffnungslos aus dem Leben scheidet, weil es offenbar keinen anderen Ausweg mehr gibt. Ich will den „weiblichen Todd Andersen“ verkörpern, der es schließlich schafft, aufzustehen, für sich, für sein Leben würdevoll einzustehen.

Mein Leben ist gerade fulminant und eine Achterbahnfahrt, eine riesige Baustelle. Es kommt vieles in Fahrt, ich bin voll unterwegs, und ich komme immer mehr in meine Kraft, aber es ist wirklich noch gut was zu tun. Ich bin mittendrin, und es stehen so viele Dinge an. Das zeigt eine Zwischennotiz, die ich vor kurzem einige Tage nach dem ersten Modul der Menschenlehrer-Ausbildung schrieb:

„Vor zwei Wochen ging ich in unsere Menschenlehrer-Ausbildung mit einem Gefühl „Boah, eigentlich hast Du MEHR als genug grad – kannst Du Dir es leisten, in diesen ersten Block zu gehen…?!?“, so viele Projekte in Deinem Patchwork-Berufsdasein – u.a.:

  • Kommunikationskonzept (zum Einstieg in einen geliebten Job, der am 1.März bezahlt startet), 
  • Konzeptpapier – Abschlussarbeit für eine Fundraising-Ausbildung
  • am Wochenende Strategietreffen für Transition (so dass ich Samstag und Sonntag schonmal garantiert nicht teilnehmen konnte)
  • im Mai ein TransitionCamp zu organisieren, mit dem ich gefühlt allein dastehe, da eine Kollegin auf unabsehbare Zeit schwer erkrankt ist
  • im Mai eine komplexere Website relauncht haben (bei dem ich einen Dienstleister steuere, aber ganz viel konzeptionelle und redaktionelle Arbeit liegt bei mir),
    (beide Termine bindend, weil in ein Projekt integriert, das wir dokumentieren müssen) 
  • mein Buchprojekt, das diesmal nicht (!!!) hintenrunter fallen soll
  • Teamleader im humantrust
  • und der ganz normale geliebte (!) Berufsalltag (zwei inhaltsreiche Newsletter vorbereiten, zwei Facebookseiten betreuen)

Ich fühlte mich echt überfordert, es fühlte sich so „eng“ an und ich dachte, ich müsste mich von etwas trennen, um wirksamer und erfolgreicher unterwegs sein zu können. In das Treffen am Wochenende ging ich „hart“ – in der Ankommensrunde benutzte ich die Worte „Es ist frostig, ich gehe hier geklärt rein, aber ich fühl mich allein, es ist alles zu viel….“

Und dann: … Ist das Eis aufgebrochen!!!

Am Wochenende haben sich zwei Teams gefunden – eines, das gemeinsam mit mir das Camp vorbereitet und richtig Bock drauf hat und ein Websiteteam. Das Fundraising-Konzept ist in die Jahresplanung integriert und nicht „nur“ für die Ausbildung geschrieben – und ich habe es nach dem Wochenende einfach runterschreiben können und pünktlich abgegeben – und es ist sogar sinnvoll, weil mit Nutzen. Die Ideenskizze zum Kommunikations-Konzept ist auch schon fertig und gestern per Skype mit einem tollen Feedback besprochen – und auch so, dass wir es gleich anwenden werden. Mein Verleger hat mich angeschrieben (also seine Initiative – wuuuuhuuuu!!!), wir haben hin und her geschrieben und Anfang März ein Treffen vereinbart – die Terminschiene fühlt sich für mich supergut an. Und gestern hat sich auch noch meine kranke Kollegin gemeldet, es geht bergauf bei ihr.

Bei einem anderen Projekt,unserem LeineHeldenJam, der im November ansteht und mir auch zuviel wurde, zeichnet sich auch eine Lösung ab: Er wird vermutlich in ein anderes Event integriert, und es ist so viiiiel weniger Arbeit. Und auch hier habe ich gesagt: „Boah, es wird mir zu viel. Ich schaffe das nicht. Ich liebe aber dieses Projekt und fühle eine Verpflichtung gegenüber einer Uni, weil sie Kooperationspartner ist und sogar ein Lehrforschungsprojekt draus macht.“ Und siehe da: Jemand anderem kam auch hier die zündende Idee, die mich sofort extrem erleichtert und die Machbarkait fühlbarer gemacht hat.

Dies alles hat sich innerhalb weniger Tage so gelöst….
Das Zuviel-Gefühl hatte ich Wochen mit mir rumgetragen. Ich weiß jetzt: Sobald dieses Gefühl auftaucht, werde ich es ansprechen ;).

Mein Learning: 
Wenn Du merkst, es wird für Dich zu viel, Du liebst aber das, was da mit Dir durch Dich passieren soll, und es ist sinnvoll, bitte nicht in dem Gefühl der Enge bleiben und zurückstecken, auf Deine Komfortzone zurückrudern, sondern ehrlich sagen: „Uff, ist grad viel… es ist aber trotzdem meine Vision und ja sie hat auch mit Eurer zu tun,und ich geh dafür. Bitte helft mir und zeigt mir, wies geht. Und die Unterstützung wird kommen :-))))…“

Ich fühle mich gerade getragen, wie befreit – größer und auf neuem Level. Ich fühle mich wie ein Feld, das mit anderen durch andere wirkt. Und es fließt. Ein tolles Gefühl!!!“

Ein großes Thema: Meine integrale Balance finden

Wie Du an diesen Ausführungen merkst, habe ich einen deutlichen Lebensschwerpunkt: mein Leben ist sehr einseitig ausgerichtet, sehr von meiner Berufung eingenommen und bestimmt. Das gefällt mir nicht, ich brauche eine integralere Lebenspraxis und ich wünsche mir sehr, dass sich diese innerhalb der nächsten zwei Jahre entfaltet – und zwar mit Leichtigkeit – so wie sich meine beruflichen Herausforderungen vor zwei Wochen gerade aufgelöst haben:

Ich mache zu wenig Sport, achte zu wenig auf mich selbst, ernähre mich ungesund, gönne mir zu wenig Auszeiten, wertschätze meine Familie zu wenig, obwohl ich sie so sehr liebe und mir sehr bewusst ist, was für einen Heimathafen und Ruhepol mir meine Familie wirklich bietet. Bei uns zu Hause ist es viel zu unordentlich und unwirtlich. Das will ich dringend ändern. Ich will wieder mehr Schönheit, Gemütlichkeit und gleichzeitig das „Mark des Lebens“. Ganz schön viel! Zuviel? Ich glaube nicht, ich glaube, dass das gehen kann.

Integraler UND nachhaltiger Lebensstil

Ein Riesenthema ist für mich auch, dass ich einen nachhaltigen Lebensstil wirklich vorleben möchte. Ich schreibe gerade das Buch „Unterwegs zum guten Leben – Mensch sein für ein neues Zeitalter“ und ich möchte diesen guten Menschen, den ich im Buch propagiere wirklich verkörpern. Ich möchte integer, authentisch, strahlend damit sein. Es aus jeder Pore ausstrahlen. Mein Glaube an den Weltenwandel ist wirklich wahrhaftig, meine Begeisterung transportiert sich, aber ich muss es auch wirklich verkörpern, indem ich einen nachhaltigen Lebensstil vorlebe oder einen „Bruch“ damit transparent mache und gut begründe. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Punkt, und da ist noch ganz viel Luft nach oben, ich merke das je tiefer ich in dieses Thema eintauche. Wir könnten alle so viel mehr, wenn wir unser Verhalten und unser Bewusstsein nur ändern würden. So denke ich, dass ich mit dem Buchprojekt so etwas wie ein Spiegel sein kann. Ich transformiere mich schreibend und biete so die Transformationsfläche für andere – mit all meinen Lebensbaustellen.

Mit Schreib-Glück zur Sinn-Finderei

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Oder: Wie ich gerade für mich dabei bin, Kunst und Geld zu versöhnen…

Worte schaffen Welten. Schreiben – das ist für mich Ausdrucksform und Spurensuche zugleich. Die richtigen Worte finden, um das stimmig zu erzählen, was an Gedanken und Gefühlen in mir ist, mich bewegt, und: mich zugleich von den Worten tiefer finden lassen, Worte, die wiederum mein Inneres rufen und es vermögen, weiter in mich hineinzutauchen und noch aus den trübsten Wässern längst Vergessenes hervorlocken. Mit Worten und Sprachbildern das Bewusstsein auch im nicht benennbarem Terrain erfischen: So funktionieren Ge-schich-ten.

ars:scribendi – Worte schaffen Welten.

Genau dieser Prozess, dieses Ping-Pong, fasziniert mich seither am Schreiben. Nicht ohne Grund habe ich wohl vor fast zehn Jahren mein erstes Unternehmen ars:scribendi genannt – die „Kunst des Schreibens“. ars:scribendi – die Verwandtheit zum ars vivendi, diesem leichten, kunstvollen Lebensstil, gefiel mir. Mein inneres Auge reiste nach Ligurien, ich spürte Sonnenstrahlen auf meiner Haut, der Duft von Pinienhainen lag in der Luft, das Meer rauschte von der Ferne, ich wanderte auf einem schmalen Pfad an einer Felsenklippe entlang. Unterwegs und im Fluss, im Gleichklang mit mir und der Welt. Darum ging es mir schon immer: Schreibend den Sinn (er-)finden und dabei die Schönheit dieses Tuns genießen. „Worte schaffen Welten.“ habe ich damals auch als Credo für ars:scribendi gefunden, und es mit jener Werte-Kalligrafie illustrieren lassen, die Du als Titel dieses Artikels siehst. Allein: dass ich diese Werte nicht achtete, beachtete ich nicht.

Was ich so machte: Worte für die Tonne
Kommunikative Müllproduktion und geistige Prostitution

ars:scribendi – hört sich gut an, oder? Was verbindest Du damit? Eine Literaturagentur? Ein Literaturcafé? Eine Buchhandlung mit ganz feinen Büchern? Vermutlich all das und einige schöne Dinge mehr, aber bestimmt nicht das, was ich daraus mit meinem Unternehmen machte: Ich gründete eine PR-Agentur, stellte mich in den Konzept- und Schreibdienst von Unternehmen. „Das ist ja auch sinnvoll und gut“, magst Du denken. Und ja, daran ist nichts Verwerfliches, das denke ich auch. Nur: Heute denke ich, dass ich damals mein Licht unter den Scheffel stellte, aber vor allem: dass ich einige meiner zentralen Werte negierte. Denn: Vieles war ich da im Dienste einiger Unternehmen tat, war in meinen Augen kommunikative Müllproduktion und geistige Prostitution. Das war eigentlich für die Tonne – Schaumschlägerei und ein unangemessenes Anpreisen. Ich muss es nochmal aufschreiben, auch wenn mir wieder schlecht dabei wird. Bei all meinem Tun ging und geht es mir stets darum, wesentlich, wertvoll und sinnstiftend zu kommunizieren, zu sein. So einiges von dem, was ich da machte, war das mitnichten. Versteh mich nicht falsch – manches Mal, wenn ich für einen Coach ein Marketingkonzept erstellte, wenn ich gemeinsam mit ihm oder ihr ein Geschäftskonzept erarbeitete und dafür eine Kommunikationsstrategie entwickelte, dann war das tiefe, ehrliche Arbeit. Doch einige Projekte nahm ich offen gestanden nur wegen des Geldes an und nicht, weil ich davon überzeugt gewesen wäre. Aber genau das gestand ich mir nicht ein. Ich war so drin in der Maschinerie, dass ich Aufträge brauchte, dass ich nicht darüber nachdachte, welches meine eigentlichen Werte und Prinzipien waren.

Das Unbehagen mit dem eigenen Unternehmen

In den folgenden Jahr spürte ich oft, dass es nicht passte, dass ich nicht richtig war, dass Business-Veranstaltungen sich für mich häufig „leer“ anfühlten – das typische Unternehmer-Blabla. Vielleicht kennst Du ja auch solche Events? Ich nahm sie als notwendiges Übel hin und dachte, es müsste so sein. Viele meiner Klienten schätzten meine Arbeit. Und eigentlich habe ich auch nie Akquise gemacht, denn die Kunden fühlten sich von mir hingezogen (vielleicht weil sie spürten, dass da noch mehr schlummerte). Doch ich selbst war oft mit meinen Ergebnissen nicht zufrieden, manchmal musste ich bei Abgabeterminen auch um Aufschub bitten, manche Projekte beendete ich nie… Mein Business lief folglich nicht richtig…

Was ich eigentlich wollte: Worte schaffen (auch bessere) Welten

Einige Schlüsselerlebnisse (davon berichte ich in anderen Artikeln sukzessive) führten mir vor Augen, um was es mir eigentlich ging mit meiner „Schreib- und Kommnikations-Kunst“: etwas Positives zu erschaffen, etwas Größeres, Besseres, Schöneres – einen Beitrag dazu zu leisten, diese Welt zu einem guten Platz zu machen. Dann da ist noch ganz viel Luft nach oben. Worte schaffen (auch bessere) Welten. Dazu ist Schreiben eines meiner Talente.

Meine Job-Transformation:
Ich bin Teil einer nachhaltigen Unternehmer-Bewegung!

In den letzten drei Jahren habe ich mich immer mehr von Projekten finden lassen, die meinen Werten entsprechen und die dazu beitragen, diese Welt tatsächlich zu einem besseren Platz zu machen – zum Beispiel die Gemeinwohl-Ökonomie und die Transition Town-Bewegung. Und ICH DARF mich dort einbringen, schreibend, konzipierend, organisierend  – das ist ein großes (Schreib-)Glück und eine Ehre. Tag für Tag, ich bin von Dankbarkeit erfüllt. Noch bin ich unterwegs; ich bin aber immer mehr in der Lage, davon leben zu können und kongruent mit meinen Werten zu sein.

Und jetzt meine Hinführung zum Schreib-Glück: Meine Sinnfindungssuche im humantrust (vormals Living Master Club) von Andrea und Veit Lindau hat erheblich dazu beigetragen, dass mich all das entdeckt hat. (Interessanter Weise bin ich fast zeitgleich zum Living Master Club gekommen und habe mich sowohl von der Gemeinwohl-Ökonomie als auch von der Transition Town-Bewegung finden lassen – eine sehr spannende Synchronizität…)   Als in diesem oben beschriebenen Sinn so heftig Schreib-Verliebte war es für mich nur logisch, dass ich im Frühjahr auch  in den Schreibglück-Kurs von Veit Lindau eingetaucht bin. Weil da seit Jahren Medien in mir schlummern, die die Welt erblicken mögen. Noch schenke ich ihnen nicht genügend Raum, aber ich spüre sehr deutlich, dass sie immer mehr Platz einnehmen wollen, und ich bin sehr gespannt, was in den kommenden Wochen und Monaten in dieser Hinsicht passiert.
PS: Dieser Artikel sollte eigentlich ein Rückblick auf das wunderbare Schreibglück-Event werden, das ich vergangenen Sonntag in Baden-Baden besucht habe. Meine Worte haben mich aber woandershin verführt, wie das manches Mal mit ihnen so ist ;-)…
Jetzt folgt dieses Wochenende noch ein weiterer Blogpost mit einem tatsächlichen Rückblick – und hier ist er schon: Schreibglück – Danke für die Tankstelle :-)

Das „Wunder Weltrettung“ möglich machen – Deine Weichenstellung und mögliche Leitsterne

„Und ein Schmetterling schlägt seine Flügel
Die ganze Erdkugel bebt
Wir haben überlebt
Und du glaubst nicht an Wunder
Und du glaubst nicht an Wunder

Wir sind so weit auseinander
Doch fühlen uns so nah
Spreche deine Sprache nicht doch versteh jedes Wort
Ich muss nur kurz an dich denken
Das Telefon klingelt
Es bleibt ein Mystischer Ort“

(aus: Welt der Wunder von „Marteria“, interpretiert von Andreas Bourani)

Vor einem guten halben Jahr, Ende September 2015, ist etwas Magisches, etwas noch nie da Gewesenes passiert: Alle 193 Staaten der Vereinten Nationen haben sich auf einen Zukunftspakt geeinigt, haben darin in 17 Punkten die Vision für eine bessere Welt festgehalten und beschlossen, diese gemeinsam erreichen zu wollen. DAS hat es zuvor noch nicht gegeben! Der Zukunftspakt sind die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals, die bis zum Jahr 2030 Wirklichkeit werden sollen. Diese 17 Ziele benennen ganz konkret, was zu ändern ist – etwa, dass kein Mensch mehr hungern darf, dass Landwirtschaft wieder regionalisiert werden soll, dass die Artenvielfalt vergrößert werden soll, dass wir achtsamer mit den natürlichen Ressourcen umgehen sollen undundund – und zwar in konkreten Größen bemessen.

Die globalen Nachhaltigkeitsziele berühren alle Lebensbereiche
– und sie berühren jeden Einzelnen von uns:
Denn damit dieses „Weltwunder Weltrettung“ Wirklichkeit werden kann,
braucht es nicht nur Staaten, es braucht jeden Einzelnen, es braucht wache und aktive Menschen, die selbst dafür einstehen und darüber hinaus die Erreichung der Ziele einfordern.


Und wie reagieren viele von uns auf so etwas wie die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele?
Mit einem ungläubigen Schweigen, mit Skepsis, mit Misstrauen, mit Zynismus, mit einem fragend-spöttischen „Na, Papier ist ja geduldig. Glauben die wirklich daran oder ist das wieder nur so ein „Pro-Forma-Akt“?“, einem resignierendem, achselzuckendem „Ist doch eh wieder nur Politiker- und Staats-Menschen-Geschwätz“ und auch einem besserwissenden Abwiegeln „Solche Verträge sind schon oft genug beschlossen worden. Das ist wie Honig-ums-Maul zu schmieren. Da passiert nix“ Und dann fangen wir in der Regel an, auf diese bösen Politiker zu schimpfen und zu jammern, dass das hier alles eh nix mehr wird.

Offenbar glauben wir also nicht daran, diese Ziele erreichen zu können. Es scheint uns nicht möglich zu sein. Die Weltrettung scheint eine Utopie, die sich nur in den kühnsten Träumen vollziehen mag.

  • Weil es nicht in unserer Macht zu stehen scheint (Ist das wirklich so?).
  • Weil sich erstmal die Gesetzgebung verändern muss, damit überhaupt irgend etwas losgehen kann (Wie ist unser heutiges Gesellschaftssystem entstanden? Indem wir auf Gesetze gewartet haben?).
  • Weil nur die Mächtigen, nur die mit richtig viel Macht und Einfluss die großen weltumspannenden Veränderungen herbeiführen können (Wie haben sich dann jemals gesellschaftliche Umwälzungen vollzogen, wie haben es jemals Menschen geschafft aufzusteigen?).
  • Weil diese Herausforderung so groß und komplex ist, weißt Du gar nicht, wo Du anfangen könntest. Es überfordert Dich. (Wie machst Du das nochmal mit den ganz großen Zielen? Richtig, Du teilst sie in kleine Häppchen und gehst Schritt für Schritt.)
  • Und überhaupt: Weil Du ja erstmal Dein eigenes Leben auf die Kette kriegen musst. (Wobei es ja nicht mehr viel auf die Kette zu kriegen gibt, wenn wir den Karren hier vor die Wand fahren…)

Für keine bessere Welt:
Du hast Visionen? Na, dann geh mal schnell zum Arzt!

Ich bin mir sicher, der Argumente, dass wir die Weltrettung (dieses hehre Ziel, dass so viele Lebewesen wie möglich ein würdiges Leben führen können) ganz bestimmt nicht packen, gibt es noch viele mehr. Auch oft zitiert: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, sagte der große Willy Brandt Helmut Schmidt.1)Ich habe zunächst fälschlicher Weise das Zitat Willy Brandt in den Mund geschoben, der sich sicherlich im Grabe umgedreht hätte. Nein, es stammt von Heltmu Schmidt. Ganz herzlichen Dank an die sehr aufmerksame Leserin Anne Schneider, die mich auf diesen Fehler aufmerksam gemacht hat. Beliebtestes Argument ist sicherlich: „Die Weltrettung – das ist ja was für naive, blauäugige Idealisten.“

Fake it until you make it 
Was wäre, wenn Du einfach mal zumindest versuchst, daran zu glauben, dass wir diese Welt zu einem besseren Platz machen werden? 

Ich stelle Dir dazu folgende Frage: Was macht es wohl mit Deiner Grundhaltung, wenn Du Dir eigentlich eine bessere Welt wünschst, aber glaubst nichts dafür tun zu können? (Und ich weiß, dass es Dir im Grund nicht egal ist, denn zu viele repräsentative Erhebungen besagen exakt, dass die Mehrheit der Menschen sich eine gerechtere, auf die Umwelt achtende Gesellschaft wünscht – bspw. die der Bertelsmann Stiftung) Und eine weitere Frage: Was glaubst Du, würde sich verändern, wenn Du (und vielleicht noch mehr Menschen – vielleicht sogar insgesamt 5 Prozent) Dich einfach mal nur entschließen würdest, daran zu glauben, dass ein fulminanter Wandel möglich ist? Und wenn Du dabei bedenkst, dass wir Menschen bisher nur einen winzigen Teil unseres Potenzials nutzen, dann hast Du vielleicht eine Ahnung, dass doch so viel mehr möglich sein kann, an das wir jetzt überhaupt noch nicht denken können…

Erde mit Atmosphre und Mond

Ich bin der festen Überzeugung, wenn ein Teil der Menschheit daran glaubt, dass wir diesen unseren Planeten zu einem besseren Platz machen können, dann wird allein schon diese Haltung, dieser Glaube daran, einen entscheidenden Unterschied bewirken, und den Möglichkeitsraum vergrößern. Nur daran zu glauben, tut ja erstmal gar nicht weh ;-).

Ich freue mich also sehr, wenn dieser Artikel ein paar Menschen inspiriert mitzumachen – einfach erstmal daran zu glauben. Und wenn Du jetzt mit einem „Steffi, ist das nicht reichlich naiv?“, reagierst und mir zig Studien auflistet, warum das doch alles eh keinen Sinn und die „Anderen“ (ersetze beliebig: die „Reichen“, die „Mächtigen“, die „Unternehmer“, die „Konzernbosse“, die „Politiker“, die „Verbraucher“) etwas tun müssten, damit sich was verändert, dann bin ich sehr stolz auf Deine Belesenheit und danke Dir für diese wertvollen Informationen, die umso mehr die Dringlichkeit, jetzt sofort loszulegen untermauern.

Weißt Du was?
Ich liebe mein Leben und meine Träume einfach viel zu sehr,
als dass ich mich dadurch einschüchtern ließe.

Nenne mich Idealistin, nenne mich naiv, nenne mich verrückt:
Ich glaube einfach fest daran, dass jeder Einzelne von uns
einen nennenswerten Beitrag für eine bessere Welt leisten kann.
Und ich werde es mir nicht nehmen lassen, mit ganzer Leidenschaft dafür einzustehen.
Also, bist DU dabei und glaubst und gehst mit mir?

Was können wir jetzt konkret tun?
Die Globalen Nachhaltigkeitsziele als Leitsterne für den Wandel
Mögliche Orientierungspunkte für eine bessere Welt gibt es viele: Etwa die Umweltenzyklika von Papst Franziskus „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ aus dem Jahr 2015, die sich umfassend mit aktuellen Fragen der Schöpfungstheologie, der Umwelt und Ökologie sowie des Klimawandels auseinander setzt und Empfehlungen abgibt oder auch die kleine Schrift „Ethik ist wichtiger als Religion: Der Appell des Dalai Lama an die Welt“Ideale Leitsterne für die Ambition, die Welt zu einem besseren Platz zu machen, sind meiner Ansicht nach die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals (SDGs), weil sie so umfassend und gleichzeitig sehr konkret sind. 2)Ich habe das große Glück, aktuell an einem Projekt namens „Weltwunder -Wandel statt Wachstum“ des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. mitzuwirken, in dem wir uns für eine Publikation sehr intensiv mit den SDGs beschäftigen. Von daher kann ich gerade sehr intensiv in die Materie eintauchen. Sobald die Publikation dazu veröffentlicht ist, werde ich auch darüber berichten.

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Die Globalen Nachhaltigkeitsziele im Überblick

Weltrettung ganz konkret und in homöopathischen Dosen:
Woche für Woche ein SDGs und Ideen zum Aktiv-Werden!
Hier auf meinem Blog werde ich Euch sukzessive in wöchentlichem Abstand die globalen Nachhaltigkeitsziele auf unterhaltsame Weise skizzieren und Dir ganz konkrete Beispiele nennen, wo und wie Du Dich engagieren kannst, um einen Beitrag zur Erreichung der Ziele zu leisten. Ich möchte Euch richtig Lust auf dieses Thema machen und hänge mich dafür richtig rein. Ganz fest versprochen!

Bevor wir loslegen: Kleiner Zwischenstopp – Weltrettung warum?
Ich starte nächsten Freitag, am 10.06.2016 – allerdings erstmal mit einem kleinen Zwischenstopp, bevor wir richtig loslegen: Es wird darum gehen, warum ich mich für die Weltrettung einsetze und warum es meiner Ansicht nach nicht nur pures Idealistentum und Aufopferung sind, sondern auch mit meinem „starken Ich“ und einer Klarheit gegenüber Dir selbst zu tun hat.

Also, bist Du am kommenden Freitag, 10.06.2016 am Start
und gehst die Sache gemeinsam mit mir an?
Ich freue mich sehr über jeden einzelnen Menschen,
der mitmacht und mitdenkt und auch Feedback gibt.
Wir lesen uns nächsten Freitag! Okay?

PS:

Aktuell arbeitet die Bundesregierung gerade an einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie, die Bezug nimmt auf die globalen Nachhaltigkeitsziele. Sie soll im Herbst 2016 willkommen geheißen werden. Lies doch mal rein, was der aktuelle Plan ist.

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References   [ + ]

1. Ich habe zunächst fälschlicher Weise das Zitat Willy Brandt in den Mund geschoben, der sich sicherlich im Grabe umgedreht hätte. Nein, es stammt von Heltmu Schmidt. Ganz herzlichen Dank an die sehr aufmerksame Leserin Anne Schneider, die mich auf diesen Fehler aufmerksam gemacht hat.
2. Ich habe das große Glück, aktuell an einem Projekt namens „Weltwunder -Wandel statt Wachstum“ des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. mitzuwirken, in dem wir uns für eine Publikation sehr intensiv mit den SDGs beschäftigen. Von daher kann ich gerade sehr intensiv in die Materie eintauchen. Sobald die Publikation dazu veröffentlicht ist, werde ich auch darüber berichten.